Auf Wunsch von Gärtnerei

Schüsse in Oberrad: Jäger knallt Krähen ab, Stadt erlaubt’s!

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Krähen sind in Oberrad im Visier eines Jägers.

Frankfurt – Weil ihm die Krähen zu viel wurden, hat ein Oberräder Gärtnereibetrieb den Revierjäger beauftragt, sie abzuknallen – trotz Schonzeit. Das ganze geschieht sogar mit dem Einverständnis der Stadt Frankfurt. Christian Reinartz

Besorgte Anwohner und Vogelschützer wollen das aber nicht akzeptieren und schlagen Alarm: „Stoppt das Geballere, sonst wird noch jemand verletzt. “.

Als Gudrun Stürmer vom Frankfurter Taubenprojekt beim Füttern die Schüsse hört, zuckt sie zusammen. Realisiert erst gar nicht, was wenige Meter weiter auf dem Feld nahe des Oberräder Speckwegs geschieht – schließlich ist Schonzeit. Als das Knallen nicht aufhört, geht sie der Ursache auf den Grund. Und traut ihren Augen nicht. „In aller Öffentlichkeit stand da ein Jäger und hat auf Krähen geschossen“, erinnert sich Gudrun Stürmer. „Ich habe mich natürlich erschreckt, ihn dann aber zur Rede gestellt.“ Die Antwort des Schützen machte Stürmer dann endgültig sprachlos. „Der sagte mir, dass das alles im Auftrag der Gärtnerei Scondo geschehe, weil die Krähen die Pflanzen zerstören würden.“ Zudem habe er darauf verwiesen, dass alles von der Stadt genehmigt worden sei.

Am hellichten Tag mit Flinte unterwegs

Nadine Ledetzky (rechts) und Gudrun Stürmer haben ihn zur Rede gestellt, doch gebracht hat es nichts.

Einen Tag später hat Spaziergängerin Nadine Ledetzky ein ähnliches Erlebnis. „Der Mann hat am helllichten Tag mit seiner Flinte auf dem Weg gestanden und auf die Krähen geballert“, sagt die Hundehalterin. Der Schreck sitzt ihr jetzt noch in den Knochen. „Das ist lebensgefährlich.“

Bei der Stadt Frankfurt weiß man, dass in Oberrad zur Zeit scharf geschossen wird. Eine Gefahr für Menschen sieht man aber nicht. Sprecher Ralph Rohr: „Das wurde durch die untere Jagdbehörde genehmigt, weil die Gärtnerei Scondo uns glaubhaft darlegen konnte, dass andere Vergrämungsmaßnahmen bisher nicht erfolgreich gewesen sind.“ Deshalb habe man trotz Schonzeit eine „Anordnung zur Verhinderung von Wildschäden“ abgesegnet, die noch bis zum 31. Juli gelte. Er könne die Aufregung der Menschen nicht verstehen: „So ist halt das Leben.“ Und schließlich sei der Mann Jäger und habe eine Prüfung abgelegt.

Gärtnerei hat wenig Verständnis

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Wenig Verständnis für die Tiere hat auch Gärtnerei-Inhaber Reinhold Scondo. „Die Vögel sind gleich in ganzen Schwärmen übermeine Pflanzen hergefallen“, argumentiert der Oberräder Unternehmer. Viele Vögel seien sogar in die Gewächshäuser geflogen und hätten dort die Jungpflanzen zerhackt. „Diese Vögel zerstören meine Geschäftsgrundlage.“ Einige hundert Euro Schaden seien so schon entstanden, sagt Scondo. Den Jäger habe er erst beauftragt, als alle anderen Maßnahmen nichts gebracht hätten. „Ich habe Vogelscheuchen aufgestellt und mit Silvesterknallern geworfen. Aber diese Viecher haben sich nicht stören lassen.“

Gudrun Stürmer will das nicht akzeptieren. „Ich verstehe nicht, wieso man jemanden mitten im Stadtgebiet schießen lässt. Das ist immer gefährlich. Außerdem wird hier die Schonzeit wirtschaftlichen Interessen geopfert.“

Die ersten Krähen-Waisen sind schon bei Stürmers Taubenprojekt abgegeben worden. Stürmer: „Mal schaun, wie viele da noch kommen, wenn der weiter ballert.“

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