Schreierei, heimliche Beobachtungen:

Wenn Horror-Nachbarn das Haus terrorisieren

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Ein Gespräch sollte immer der erste Schritt sein, um Streit in der Nachbarschaft zu klären.

Region Rhein-Main – Mülltrennung, Lärm, Gerümpel im Flur: Nachbarschaftsstreits haben viele Gründe. Was aber, wenn es nicht nur beim Streit bleibt, sondern sich eine ganze Wohngemeinschaft von einem Nachbarn terrorisiert fühlt? Ein Experte sagt, worauf man achten sollte. Von Christina Langenbahn

Es gibt Fälle, da können Nachbarn nicht mehr vernünftig miteinander sprechen. Die Fronten sind zu verhärtet, ein Gespräch überhaupt nicht möglich. Das ist auch in einem Seligenstädter Haus der Fall, in dem es elf Wohnungen gibt, bewohnt von Eigentümern und Mietern. „Es fing damit an, dass unsere Nachbarin abends plötzlich in meinem Garten vor dem Fenster meines Sohnes stand und einfach nur hineinguckte“, erzählt Michelle G. „Immer wieder.“ Der kleine Sohn ist verunsichert, die Angst zieht ein.

Immer wieder werden Autos beschädigt

Stichworte wie „Mobbing“ und „Psychoterror“ kommen sofort in den Sinn. Davon will die Nachbarin aber nichts wissen. Sie ist sich keiner Schuld bewusst. „Und das, obwohl sie manchmal wie wild und für alle Parteien hörbar in der Wohnung herum schreit oder nachts nur mit einem langen Unterhemd bekleidet durch die Flure und sogar über die Straße läuft“, sagt Michelle G. „Wir haben auch immer wieder Probleme mit beschädigten Autos in unserer Tiefgarage“, erzählt Dagmar A. Bisher könne man aber nicht nachweisen, ob sich jemand aus dem Haus daran zu schaffen gemacht habe. Deshalb habe man jetzt Kameras aufgestellt.

Genau deswegen sei dieser Fall heikel, erklärt Rolf Janßen, Geschäftsführer des DMB Mieterschutzvereins Frankfurt. „Kann man Beweise vorlegen, ist es Sache des Vermieters, sich um das Problem durch Abmahnung oder schlimmstenfalls Kündigung zu kümmern“, sagt Janßen. „Wenn der Nachbar nicht mit sich sprechen lässt und nicht kooperiert, dann bedeutet das für Mieter einen Mangel der Mietsache, über den man mit dem Vermieter sprechen sollte.“ Auch sollte man keinesfalls ohne Beweise oder ohne vorher mit dem Vermieter gesprochen zu haben zur Polizei gehen. „Das könnte er als Störung auffassen“, sagt Janßen. „Wenn der Vermieter nicht vorgeht, obwohl er das sollte, dann können die Mieter gerichtliche Schritte einleiten.

Angst mindert die Lebensqualität

So schlimm es für die Betroffenen ist: Ohne Beweise wird das Vorgehen gegen terrorisierende Nachbarn schwer. Auch wenn die Lebensqualität stark gemindert sein kann und sogar Angst herrscht: „Meine Tochter und der Nachbarsjunge sind befreundet und spielen miteinander. Sie trauen sich aber nicht allein über den Hausflur, wir müssen sie immer von Tür zu Tür begleiten“, sagt Kathi B. „Vor allem, seit die Nachbarin meinen Sohn neulich eigenmächtig von der Grundschule abholen wollte, weil ich ihn angeblich misshandle. Was soll denn erst passieren, bevor wir gegen diese Störungen wirkungsvoll vorgehen können?“, fragt Michelle G. Alle Nachbarn sind sich einig darüber, dass es so nicht weiter gehen kann. Aber machen können sie trotzdem nichts.

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