Schon wieder Zensus-Schlamperei

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Gabriele Kunz soll Zensus-Fragebögen für die Häuser einer ganzen Straße beantworten – dabei gehört ihr nur eine Wohnung.

Offenbach – Die Befragung zum Zensus 2011 erhitzt die Gemüter. Schon wieder hat das Statistische Landesamt falsche Fragebögen verschickt. Die Offenbacherin Gabriele Kunz hat eine Wohnung in Dietzenbach – und sollte Bögen gleich für alle anderen Häuser in der Straße ausfüllen. Von Julia Renner

„Als die Post kam, habe ich erstmal gedacht: Es wäre schön, wenn mir alle Häuser in dieser Straße gehören würden“, sagt Kunz. Die 53-Jährige ist aber aus mehreren Gründen sauer: „Dass in diesem Umfang Fragebögen an eine Person geschickt werden, muss doch jemandem beim Landesamt aufgefallen sein.“ Noch mehr ärgert es die Künstlerin, dass der Steuerzahler für das überflüssige Verschicken der Bögen zahlen muss.

„Ich bekomme auch nur einen Grundsteuerbescheid für diese eine Wohnung. Ich kann mir nicht erklären, woher das Landesamt falsche Daten bezogen hat.“ Eine andere Wohnung habe ihr nämlich nie gehört.

Eine böse E-Mail hat Gabriele Kunz schließlich an die Behörde geschrieben. Als Antwort bekam sie ein standardisiertes Schreiben: Wegen der „sehr hohen Zahl“ an Anfragen dauere die Beantwortung etwas, dafür bitte das Landesamt um Verständnis. Daraufhin wandte sich Kunz an den EXTRA TIPP. Jetzt sind die falschen Daten gelöscht.

Steuerzahler-Bund kritisiert Kosten

„Es kommt stellenweise öfter vor, dass vermeintliche Wohnungsbesitzer angeschrieben werden“, räumt Carsten Beck, Referent beim Landesamt ein. „Im Bezug auf die Gesamtmasse von 1,8 Millionen verschickter Fragebögen ist die Zahl der Fehler aber verschwindend gering“, versichert der Statistiker.

Die Ursache für die Probleme ist bei der Behörde nicht bekannt. Und weil häufiger Fehler passieren, ist gleich die zweite Frage auf dem Bogen: „Sind Sie auskunftspflichtig, weil Sie der Eigentümer sind?“

Nicht nur für die versehentlich Befragten seien die Fehler ärgerlich. Beck: „Auch wir machen uns viel Arbeit, die wir uns gerne ersparen würden.“

Welche Kosten durch das falsche Versenden von Fragebögen entstehen, weiß weder das Statistische Landesamt noch der Bund der Steuerzahler Hessen. „Insgesamt“, sagt Clemens Knobloch vom Steuerzahler-Bund,„kostet der Zensus allein in Hessen 38 Millionen Euro.“ Im Bund sind es gar 700 Millionen Euro. Aber es wird wohl noch teurer werden. „Wir rechnen mit zehn Prozent mehr Kosten“, sagt Knobloch, Leiter der Haushaltsabteilung beim Steuerzahler-Bund. „Darüber sind wir unglücklich – und die Steuerzahler sicher auch.“

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