Schneechaos in Hainburg: Sie haben Angst vor dem Horror-Crash

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Nicole Linke räumt mit ihrem Mann den Schnee.

Hainburg – Mit dem Schnee kam das Chaos zu Nicole Linke. Weil in Hainburg die Straßen seit Tagen Rutschbahnen gleichen, traut sich die Mutter nicht, ihre Töchter in den Kindergarten zu bringen. Zu groß ist ihre Angst, mit dem Auto von der Straße abzukommen. Von Christian Reinartz

„Das ist jedesmal lebensgefährlich“, klagt Nicole Linke. Seit Jahren beobachtet sie immer wieder, dass der Schnee auf Hainburger Straßen einfach liegen bleibt. „Und zwar nicht nur auf den Neben-, sondern auch auf den Hauptstraßen“, sagt Linke. Auch ihrem Nachbar Adolf Heinz machen die ungeräumten Straßen in Hainburg schwer zu schaffen. Seine Frau liegt mit einem Schlaganfall im Krankenhaus. Der tägliche Besuch wird für den 71-jährigen zum Wagnis. „Jedesmal, wenn ich mich ins Auto setze, habe ich Angst, dass ich nicht heil ankomme.“

Bürgermeister Bernhard Bessel kennt die Zustände seit langem, weist aber jede Verantwortung von sich: „Die Stadt ist nicht für die Räumung der Landesstraßen, die durch den Ort führen zuständig.“ Bushaltestellen und kritische Kreuzungen würden sehr wohl von der Stadt gestreut oder geräumt.

Schneepflüge räumen nur freiwillig

Adolf Heinz hat jedes Mal Angst vor der Fahrt zu seiner Frau ins Krankenhaus.

Eine Fehleinschätzung, wie eine Nachfrage beim Frankfurter Amt für Straßen- und Verkehrswesen (ASV) ergibt. Netzmanager Thomas Benner: „Die Kommunen sind sehr wohl für die Räumung der Landesstraßen innerhalb des Ortes zuständig. So steht es im Straßenverkehrsgesetz.“ Zwar räumt er ein, dass seine Schneepflüge zumeist auch die Landesstraßen innerorts räumen: „Aber das ist freiwillig. Die Verantwortung liegt bei den Gemeinden.“

Bürgermeister Bernhard Bessel will das nicht gelten lassen. „Auch wenn das irgendwo steht“, sagt er: „Ich bin hier seit 1991 in der Stadtverwaltung und wir haben die Hauptstraßen noch nie geräumt. Das hat immer das ASV gemacht.“ Er wüsste nicht, warum sich das jetzt auf einmal ändern sollte.

Für Nicole Linke ein unhaltbarer Zustand. „Der Bürgermeister sollte sich an das Gesetz halten“, fordert die Hainburgerin: „Aber so wird wissentlich das Leben der Menschen gefährdet, nur weil die Stadt sich auf ihr Gewohnheitsrecht beruft.“

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