Schlimmer Verdacht: Sollte Hermann für Tierhasser töten?

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Hermann sitzt in seiner Hundezelle und erholt sich von seinen Verletzungen.

Oberursel – Sie haben ihn getreten, gequält und vermutlich bei verbotenen Hundekämpfen eingesetzt. Der seit zehn Tagen in Oberursel beheimatete Staffordshire-Terrier hat zahlreiche Verletzungen. Verkrüppelt und verletzt haben ihn seine Besitzer ausgesetzt. Von Silke Gottaut

Spaziergänger und Autofahrer haben ihn entdeckt. Ständig lief er in der Nähe eines Waldparkplatzes auf der B455 zwischen Oberursel und Kronberg hin und her. 20 Polizisten, Tierheim-Mitarbeiter und Anwohner suchten nach ihm. Erst nach fünf Tagen entdeckte ihn ein Jäger.

Die Polizei lockte den abgemagerten, braun-weißen Hund mit Fressen an. Daher wurde ein Gartenstück in Kronberg für den Listenhund zur Endstation. Im Oberurseler Tierheim stellt sich heraus, dass er ein intelligenter, anhänglicher und sehr verspielter Hund ist.

Olaf Hattenhauer

Und trotzdem hat er bisher kein glückliches Hundeleben gehabt: Jede Menge Verletzungen, alte Wunden und schlecht verheilte Brüche haben seinen Körper schwer zugerichtet. „Die Verletzungen des Hundes sind verdächtig für Hundekämpfe“, sagte Siegfried Schlott, Polizei-Sprecher in Bad Homburg. „Die Rasse wird üblicherweise für solche Kämpfe eingesetzt.

Im Tierheim Oberursel, seiner neuen Heimat, schaut er mit seinen traurigen, dunklen Augen zwischen den Gitterstäbe seiner Hundezelle hindurch. Richtig sitzen kann der zirka drei Jahre alte Hund nicht mehr. „Seine linke Hüfte wurde kaputt getreten und seine rechte Kniescheibe entstellt“, erzählte Tierheimleiterin Nicole Vorlauf.

Knochenbrüche, Quetschungen, Besenstiel im Körper

Doch das ist nicht alles: Er wurde noch am selben Abend notoperiert. „In seinem Hals war ein rund zehn Zentimeter langes Holzbesenstück“, sagte Olaf Hattenhauer, Tierarzt in Oberursel. „Die Wunde war eitrig und stank. Er hatte außerdem Narben im Hals und weitere alte Verletzungen am Körper“. Hattenhauer hat so etwas in seinen 15 Jahren als Tierarzt noch nie gesehen.

Dass ein Besenstiel bei der Abrichtung verwendet wird, ist durchaus möglich. Typische Merkmale sind auch Quetschungen und Knochenbrüche“, sagte Charlotte Köhler, von der Tierrechtsorganisation „Peta“. „Hundekämpfe finden in ländlichen Gegenden und an geheimen Orten statt.“ Hinweise, dass im Hochtaunuskreis solche Kämpfe stattfinden, gibt es derzeit nicht. „Peta“ setzt eine Belohnung von 500 Euro aus. Wer etwas gesehen hat, meldet sich bei der Polizei in Bad Homburg.

Dem jungen Hund geht es im Tierheim mittlerweile besser. Er frisst wieder und rennt auch mal hin und her. Er hat auch schon einen Namen: „Hermann“. „Wir haben ihn Hermann genannt, weil er im Hermann-Löns-Weg in Kronberg gefunden wurde“, erzählt Tierheimleiterin Vorlauf.

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