Schlägertrupp geht auf wehrlose Opfer los

Rödermark: Studenten mit Totschläger krankenhausreif geprügelt

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Die Wunden der beiden Opfer sind groß.

Ober-Roden – Erst wurden sie mit einer Stahlkette verprügelt, dann krachten Totschläger auf ihre Schädel: Zwei junge Studenten sind am vergangenen Samstag von einer Horde junger Männer in Ober-Roden krankenhausreif geprügelt worden. Von Christian Reinartz 

Zwei riesige Heftpflaster kleben Niklas H. und Peter R. auf den Hinterköpfen. Sie decken zwei große vernähte Platzwunden ab. Die beiden sind froh, dass das die einzigen schlimmeren Verletzungen sind, die sie erlitten haben. „Wir hätten dabei sterben können“, sagt Niklas. „Die hatten einen Totschläger und haben immer wieder auf uns eingeschlagen.“ Dem vorangegangen war eigentlich ein harmloser Disput am Samstagmorgen vor einer Woche um 1.45 Uhr. „Wir sind mit dem Fahrrad an der Kulturhalle vorbeigefahren“, sagt Niklas H. „Dort standen zwei Jungs und ein Mädchen und haben uns einfach so angepöbelt.“ Im Vorbeifahren habe er zurück gegiftet. Für die drei Jugendlichen offenbar Grund genug, den beiden Studenten nachzurennen und sie vom Fahrrad zu treten. „Dann hat der eine plötzlich eine dicke Stahlkette herausgeholt und auf uns eingeschlagen“, sagt Niklas H. Verletzt habe er sie aber nicht, wegen der dicken Jacken.

Schläge bis das Blut floss

Der Streit geht hin und her. H. und R. wollen einfach nur weiter. Mittlerweile sind sie am Bahnübergang angekommen, als plötzlich ein Auto herangefahren kommt. „Da sind dann Männer rausgesprungen und haben auf uns eingeprügelt“, sagt R. „Das war wie ein bestellter Schlägertrupp.“ Beide gehen davon aus, dass das Mädchen, das bei dem Streit nicht mehr zu sehen war, die Schläger aus dem Auto herbeitelefoniert hat. „Die haben sie sogar herbei gewunken“, erinnert sich Niklas H. Die Täter prügeln immer härter, immer brutaler auf die beiden Studenten ein. Immer und immer wieder, bis Blut am Boden zu sehen ist. „Dann haben sie plötzlich abgelassen und sind abgehauen“, sagt H. Die beiden rappeln sich auf, nehmen ihre Räder und gehen zur Straße.

Mutter erhebt schwere Vorwürfe gegen Polizei

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Die Mutter von R. ist unterdessen wegen zwei Dingen außer sich. „Erstens, dass hier in Rödermark so etwas überhaupt geschehen kann. Zweitens bin ich von der Polizei enttäuscht.“ Anstatt die beiden Opfer ausführlich zu befragen, seien ihr Sohn und Niklas H. nur das Nötigste gefragt worden. Eine Kartei mit polizeibekannten jugendlichen Gewalttätern sei den beiden Opfern bis heute nicht vorgelegt worden. „Hier werden zwei junge Männer von einem Schlägertrupp zusammengeprügelt und die Polizei hält es nicht mal für nötig, richtig zu ermitteln.“

Sie selbst sei daraufhin losgezogen und habe Anwohner befragt, um Zeugen zu finden. Fündig wird sie auch vor der Kulturhalle. Dort hat ein Mitarbeiter einen Schlagstock gefunden. Ihre gesammelten Informationen übergibt sie samt Schlagstock der Polizei. „Aber ich hatte das Gefühl, das war denen erstmal gar nicht recht“, sagt sie.

Beim Polizeipräsidium Südosthessen weißt man die Vorwürfe zurück. „Am Montag haben die zwei Opfer noch über Kopfschmerzen geklagt, sodass wir von einer Vernehmung zunächst abgesehen haben“, sagt Sprecher Henry Faltin. In diesem Zusammenhang sei auch erwähnt worden, dass man eine Vorladung für die kommende Woche zusenden würde.

Den Vorwurf, nicht richtig zu ermitteln, weist er ebenfalls zurück. „Unsere Leute haben Befragungen vor Ort durchgeführt und sind von Haustür zu Haustür gegangen, um Zeugen zu finden.“ Eine Lichtbildkartei habe man den Opfern nur deswegen nicht vorgelegt, weil die Beschreibungen so unklar waren. „Da wären dann 4000 Bilder in Frage gekommen. Das ist nicht durchführbar“, sagt Faltin. Der Stock sei zudem untersucht worden, war aber aller Wahrscheinlichkeit nach nicht die Tatwaffe.

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