Killer-Körnern lassen Tauben bluten

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Ein Korn des Killer-Weizens hat Anwohnerin Emel Ergün aufgehoben. Der Rest wird gerade untersucht.

Offenbach/Frankfurt – Während der kalten Wintermonate war Ruhe. Jetzt geht das Taubenschlachten wieder los. Und zwar schlimmer als je zuvor. Während im Frankfurter Stadtwald ein Unbekannter 18 Tauben aufgeschlitzt hat, legt ein Offenbacher vergifteten Weizen aus. Über zehn Tiere sind daran schon elendig krepiert. Jetzt blasen Tierschützer zur Jagd auf die fiesen Sadisten. Von Christian Reinartz

„Zeigt diese Leute an!“, fordert Tauben-Schützerin Gudrun Stürmer. Sie setzt auf die Furcht der Täter vor rechtlichen Schritten. „Nur so kann man diese Leute stoppen.“ Verbrechen wie das Massaker im Stadtwald könnten verhindert werden. Eine Spaziergängerin hatte 18 abgeschlachtete Tauben an der Mörfelder Landstraße gefunden.

Ein Offenbacher quält unterdessen Tauben mit Rattengift. Seit Wochen legt er vergifteten Weizen in einem Innenhof an der Groß-Hasenbach-Straße aus. Die Stadttauben picken die Killer-Körner arglos auf. Und während ihr Peiniger abends zu Bett geht, beginnt mitten in der Stadt ein grausames Martyrium.

Ein Offenbacher verstreut vergiftetetn Weizen im Innenhof

An dieser Stelle fand Emel Ergün das erste Opfer des Killer-Weizens: Die kleine Taube war innerlich verblutet.

Doch Anwohnerin Emel Ergün hat den Tierquäler bei seinem gemeinen Treiben beobachtet: „Ich habe den Weizen weggekehrt, aber am nächsten Tag war er wieder da.“ Erst sei der Kot der Tiere rot geworden. Dann lagen die Vögel tot in der Ecke. „Die Tauben verbluten innerlich“, erklärt die Frankfurter Tierärztin Maja Firlé: „Das ist der schlimmste Tod, den es gibt. Die Tiere leiden fürchterlich.“Emel Ergün weint, als sie sich an die blutigen Szenen erinnert. Gemeinsam mit ihrem Sohn wollte sie den Täter zur Rede stellen, doch der drückte sich. Jetzt hat sie Gudrun Stürmers Rat befolgt und den Täter dem Tierschutz gemeldet. „Ich behalte ihn weiter im Auge“, verspricht sie. Dennoch rechnen Tierschützer mit einem Anstieg der Gewalt gegen Stadttauben. Wenn es wärmer wird, sind abgeschnittene Flügel, durchstochene Hälse und Dartpfeile im Rücken keine Seltenheit (wir berichteten). „Die Tiere sind so gut wie vogelfrei. Die meisten sehen in ihnen Schädlinge“, klagt Stürmer: „Für viele Menschen sind Tauben doch nichts anderes als Ratten.“

Fakten und Zahlen

Der Grundsatz des Tierschutzgesetzes lautet: „Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schaden zufügen.“ Harte Strafen drohen: Bis zu drei Jahren Gefängnis oder hohe Geldstrafen.

Häufigkeit: In den Jahren 2008 und 2009 meldet das Polizeipräsidium Südosthessen über 150 Fälle. Die Aufklärungsquote liegt bei etwa 50 Prozent. Experten gehen aber davon aus, dass die Dunkelziffer um ein Vielfaches höher liegt.

Hinweise zu Misshandlungen und Tiertötungen nimmt jede Polizeidienststelle entgegen.

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