Schimmel-Alarm: Unter der Tapete lauern Staubläuse

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Aynur Benkada hat die Tapete im Schlafzimmer entfernt: Sie befürchtet, dass dort schon wieder Staubläuse heimisch geworden sind.

Frankfurt – Bereits seit sieben Jahren kämpft die Familie Benkada in ihrem Schlafzimmer mit Schimmel. Die Geruchsbelastung wurde von einem Gutachter auf Höchststufe sechs eingestuft. Jetzt ist der Fall vor Gericht gelandet. Von Silke Gottaut

Der Kampf mit dem Schimmel begann schon ein Jahr nach ihrem Einzug in das Mehrfamilienhaus in Frankfurt-Höchst. „Ein muffiger, erdiger und unerträglicher Geruch herrscht in unserem Schlafzimmer“, sagt Aynur Benkada. Und der Schimmel hat noch andere Nebenwirkungen: „Nachdem wir erst Silberfische hatten, haben wir nun Staubläuse.“ Die nur etwa zehn Millimeter kleinen Tiere wurden zwar von einem Kammerjäger entfernt – jedoch bringt das nichts, denn die Staubläuse werden wahrscheinlich in spätestens zwei Wochen wieder kommen. Denn die Wände sind feucht und dort fühlen sie sich besonders wohl. Die jungen Eltern schlafen seit Monaten bereits auf Matratzen im Wohnzimmer.

Als Benkada den Schimmel entdeckte, informierte sie gleich ihre Vermieter – eine Wohnungsesellschaft. Diese schickten einen technischen Mitarbeiter vorbei. Die Ursache des Schimmels wurde von ihm mit falschem Lüften und Heizen erklärt. „Ich glaubte das und daraufhin heizten wir anders“, erzählt die Mieterin. Doch all das brachte nichts – der Schimmel vermehrte sich. Nachdem die Vermieter nichts unternahmen, beauftragte Benkada im März vergangenen Jahres einen Gutachter. Sie informierte ihre Vermieter über ihr Vorhaben. Doch diese reagierten nicht.

Gerichts-Gutachter bestätigt Baumängel als Ursache

Als die 31-Jährige das Gutachten einreicht, das Baumängel und Geruchsbelastung Höchststufe sechs bestätigt, wird dieses nicht akzeptiert. Begründung: Es ist keiner von der gegnerischen Seite anwesend gewesen. Daraufhin nahm sich die Familie Benkada einen Anwalt und zahlte sechs Monate keine Miete. Der Fall landete dann erstmals vor Gericht.

Im Januar bestätigte ein Gerichts-Gutachter, dass Styropor statt der üblichen Perimeterdämmung eingesetzt worden ist. Dieses wird bei starken Regen durchfeuchtet. „Eine Perimeterdämmung muss in einer Erdgeschosswohnung sein“, sagt Sven Kutzner, Fachanwalt für Miet- und Wohnungseigentumsrecht. Der Schimmel ist somit nicht auf fehlerhaftes Verhalten der Mieter zurück zu führen. Doch auch dieses Gutachten akzeptiert der Vermieter nicht. Er reagiert darauf mit der Aussage, dass keine Baumängel vorliegen. Das Objekt entspricht zwar nicht den heutigen Standards, jedoch dem Baustandard von 2002.

Gekämpft wird mit harten Bandagen: So bewertet es Rechtsanwalt Kutzner als versuchten Prozessbetrug, dass die Wohnungsgesellschaft versucht habe, einen handschriftlichen Vermerk ihres technisches Mitarbeiters als Aussage des Amtes für Wohnungswesens darzustellen.

Die Benkadas sind jedoch nicht die einzigen Schimmel-Betroffenen in Höchst. „Aktuell habe ich drei Verfahren laufen. Alle drei haben in dem selben Mehrfamilienhaus Schimmel-Probleme.“ Kutzner fordert vor Gericht eine Mietminderung. Jedoch müsste das ganze Haus neu saniert werden und das würde in den sechsstelligen Bereich gehen. „Die Wohnungsgesellschaft weiß das, deswegen stellt sie sich so quer“, meint er. Im September steht der nächste Gerichtstermin an.

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