Aus der Schimmel-Hölle in die Obdachlosigkeit

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Michaela und Lars Mischliwietz deuten auf ihr marodes Küchenfenster.

Rodgau – Ihr Leben verschimmelt, wird aufgefressen von grünen Pilzen. Überall in der Rodgauer Wohnung von Michaela und Lars Mischliwietz wuchert die eklige Masse. Schuld an dem Schimmelbefall sind nach Ansicht der beiden die maroden Einfachglas-Fenster. Von Christian Reinartz

Doch die Vermieterin aus Offenbach kümmert sich nicht darum. Jetzt ist das junge Ehepaar mit seinen beiden Kindern vor dem giftigen Schimmel geflüchtet – in die Obdachlosigkeit.

Die Luft ist feucht, es riecht modrig, die Fenster sind beschlagen. Und das, obwohl schon seit drei Wochen niemand mehr in der Wohnung im Rodgauer Ortsteil Weiskirchen lebt. Michaela Mischliwietz stehen die Tränen in den Augen, als sie auf die Fotos ihrer Kinder an der Wand schaut. Seit drei Wochen müssen ihre Söhne bei den Großeltern schlafen. Sie und ihr Mann Lars kommen im Wechsel bei Freunden unter. „Das ist kein Leben“, sagt sie traurig.

Drei Wochen geht das schon so. „Als wir hinter unseren Wandschrank geschaut haben, haben wir einen riesigen Schreck bekommen“, erinnert sich Michaela Mischliwietz an die grausige Entdeckung in ihrem Schlafzimmer Anfang Januar: „Da war alles verschimmelt. Dabei haben wir doch immer vorschriftsmäßig gelüftet und geheizt.“ Der konsultierte Hausarzt rät, die Wohnung zu verlassen. Für die Familie bricht eine Welt zusammen.

Zwar hatten die Mischliwietz‘ schon vor zwei Jahren einen kleinen Schimmelfleck im Wohnzimmer. Wegen der zugigen Fenster mit Einfachverglasung von denen schon der Lack abblättert. Da sind sich die beiden sicher. „Aber unsere Vermieterin wollte die ja austauschen“, sagt Lars Mischliwietz: „Passiert ist bis heute nichts.“ Stattdessen fanden sich die Mischliwietz‘ mit Eisblumen und dauerbeschlagenen Fensterscheiben ab. Bis zur Entdeckung des Schimmels. Und für dessen Beseitigung soll die Familie auch noch zahlen, heißt es in einem Anwaltsschreiben.

Als Familie Mischliwietz den EXTRA TIPP einschaltet geht auf einmal alles ganz schnell. „Wir sind an einer gütlichen Einigung interessiert“, rudert der Anwalt der Offenbacher Vermieterin, Michael Hofmann, zurück. Dass die Familie geflüchtet ist, habe seine Mandantin nicht gewusst. „Deswegen bieten wir der Familie auch einen leer stehenden Keller-Wohnraum an, um etwa Sachen zu lagern oder um dort schlafen zu können.“

Für die jungen Eltern ist das, wenn überhaupt nur eine Übergangsoption. Lars Mischliwietz: „Wir wollen aus dieser Schimmel-Hölle endgültig raus. Und zwar ohne für etwas zu bezahlen, woran wir nicht schuld sind.“

Der EXTRA TIPP wird die Sache weiter verfolgen.

Mehr Infos zum Kampf gegen Schimmel vom Experten gibt‘s hier.

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