Schausteller fühlen sich vom Zoll schikaniert

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Schaustellerverbandschef Jürgen Feuerstein fordert mehr Diskretion bei der Suche nach illegalen Arbeitern. Viele seiner Verbandskollegen klagen über geschäftsschädigendes Verhalten der Zoll-Mitarbeiter bei Kontrollen.

Frankfurt – Die Budenbesitzer auf dem Frankfurter Weihnachtsmarkt sind stinksauer, weil sie sich schikaniert fühlen. Der Zoll suche während der Stoßzeiten nach illegalen Arbeitern. Das vergrault die Kunden. Der Chef des Schaustellerverbandes fordert vom Zoll mehr Diskretion. Von Christian Reinartz

„Obwohl die eigentlich nur kontrollieren, behandeln die einen wie Schwerverbrecher“, sagt eine Schaustellerin, die ihren Namen aus Angst vor weiteren Schikanen nicht nennen will. Mit mehreren Mann sei der Zoll vor wenigen Tagen angerückt und habe die Ausgänge dicht gemacht. Viele Kunden hätten das bemerkt und seien kopfschüttelnd gegangen. „Die haben sicherlich gedacht, dass wir was ausgefressen haben. Dabei sind unsere Arbeitskräfte alle angemeldet.“ Jürgen Feuerstein, Vorsitzender des Frankfurter Schaustellerverbandes, bezeichnet das Verhalten des Zolls als Rufschädigung. „In diesem Jahr wird in Frankfurt häufiger kontrolliert als in der Vergangenheit“, hat er festgestellt. Offenbar ist aber nicht nur die Zahl der Kontrollen gestiegen, sondern auch die Unfreundlichkeit, mit der die Zoll-Mitarbeiter auftreten. „Einige unserer Schausteller auf dem Weihnachtsmarkt klagen darüber“, sagt Jürgen Feuerstein.

Der Inhaber einer großen Bräterei ärgert sich vor allem über das Auftreten der Zöllner. Er habe bei der Kontrolle den Einsatzleiter gefragt, ob auch andere Betriebe kontrolliert würden. Zur Antwort habe er folgendes bekommen: Das machen wir, wenn sie nicht jetzt schon alle gewarnt haben. „Die stellen da einen einfach unter Generalverdacht“, sagt er. Sich aber offiziell zu beschweren traut er sich nicht. „Die finden doch immer einen Weg, einem das Leben schwer zu machen“, sagt der Standbesitzer: „Da halte ich lieber die Füße still und lass das über mich ergehen.“

Zoll-Sprecherin Kirsten Jung verteidigt: „Wir waren mit drei Mann unterwegs und es war eigentlich eine ruhige Kontrolle.“ Lediglich an einem Stand habe es größere Diskussionen gegeben. Von insgesamt 16 überprüften Arbeitgebern in Frankfurt und Offenbach hätten elf gegen die Sofortmeldepflicht zur Sozialversicherung verstoßen.

Jürgen Feuerstein räumt ein: „Ich habe Verständnis, dass der Zoll kontrollieren muss. Das liegt auch im Interesse des Schaustellerverbands. Aber bitte nicht so.“ Er fordert vom Zoll mehr Diskretion bei den Einsätzen: „So schadet ihr nicht nur den Geschäften, sondern der ganzen Stimmung auf dem Frankfurter Weihnachtsmarkt.“

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