Amt gibt zu: Es gab Hinweise, dass die Lamm-Mütter fehlten

Obertshausen – Die Lämmer des Obertshäusers Schäfer Gottfried Walter wurden im Schlachthof getötet. Vorher wurden sie von ihren Müttern getrennt.  Von Christian Reinartz

Das Drama um die Schafherde des Obertshäuser Schäfer Gottfried Walter geht in die dritte Runde. Jetzt haben die Kreis-Juristen dem EXTRA TIPP Einsicht in die Schäfer-Akten gewährt. Was bleibt, sind weitere Ungereimtheiten und die Frage, warum der Kreis offenbar bereit war, gerade geborene Lämmer in den sicheren Tod zu schicken. 

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Der Kreis behauptet, dass die Herde von Schäfer Gottfried Walter über Jahre hinweg in einem desaströsen Zustand war. Gutachten von staatlichen Veterinären, etwa aus Würzburg, belegen das laut Kreissprecher Ralf Geratz-Krambs. Schäfer Walter dagegen hat ein privates Gutachten eines renomierten Sachverständigen vorliegen, dass ihm einen guten Herdenzustand bescheinigt.

Ausgehungert kamen seine Lämmer vom Todes-Transport zurück. Vor lauter Hunger nuckelten sie an Hand und Kinn von Walter. Viele waren auf der Tour verendet.

Der Kreis gibt zu, dass mehrere Miitarbeiter beim Abtransport der Schafherde im Januar 2009 darauf hingewiesen wurden, dass die Lammmütter fehlten. Zwar suchten die Kreismitarbeiter zunächst, gaben dann aber auf und schickten die hilflosen Lämmer ohne die lebenswichtige Muttermilch nach Thüringen. Kreis-Jurist Karl Schwarz: „Die Kollegen sind von einer Schutzbehauptung ausgegangen.“ Eine disziplinarische Maßnahme gegen die verantwortliche Veterinärin gab es nicht.

Der Kreis begründete die erneute Wegnahme im Dezember 2009 mit nicht geführten Bestandsregistern und fehlende Bestätigungen über tierärztliche Behandlungen. Doch Schäfer Walter legte dem EXTRA TIPP die sauber geführten Unterlagen samt Tierarztstempel vor.

Laut Ralf Geratz-Krambs sei Schäfer Walter die Herde aus Tierschutzgründen weggenommen worden. Dass die Tiere gleich an einen Schlachter verkauft wurden, sei normal, so Schwarz. Ein Video, dass Schäfer Gottfried Walter jetzt dem EXTRA TIPP zur Verfügung gestellt hat, zeigt zwei seiner Lämmer nur wenige Tage nach dem Abtransport beim Ausbluten auf dem Schlachtbock.

Der Kreis schätzt die Herde von Gottfried Walter aufgrund des schlechten Zustands auf einen Wert von 7200 Euro, so Gottfried Walter. Für ihn ein Witz. „Allein die Lämmer waren 9000 wert. Wenn ich verkauft hätte, hätte ich 45.000 Euro bekommen.

Wie geht es weiter?

Der Rest der Schafherde torkelte verstört aus dem Anhänger.

Trotz aller Ungereimtheiten beteuert der Kreis, Schäfer Walter nicht ruinieren zu wollen. „Auch, wenn uns bewusst ist, dass wir damit seine Lebensgrundlage zerstören und er in seinem Alter wohl nirgends unterkommen wird“, sagt Karl Schwarz. Er könne sich aber vorstellen, dass Gottfried Walter wieder als Schäfer arbeiten kann. „Dann aber als zweiter Mann, der nicht die Verantwortung trägt.

Für Walter wäre das der letzte Ausweg: „Ohne meine geliebten Schafe kann ich doch nicht leben. Ich muss doch nur noch sieben Jahre bis zur Rente arbeiten.

Zunächst will Walter alle juristischen Mittel ausschöpfen: „Diesem Unrecht muss Einhalt geboten werden.

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