Bürger wollen keine Infos

Wenig Interesse für Schadstoffe in Oberursel

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Jens Gessner vom Oberurseler Umweltamt (links) informiert Bürger im Ladengeschäft in der Eppsteiner Straße 11 zu den dortigen Bodensanierungen. Das Informationsbüro soll regelmäßig angeboten werden.

Oberursel – Ein Infobüro zur mehrfach kritisierten Altlastensanierung in Oberursel soll für mehr Transparenz sorgen. Doch das Interesse der Bürger hält sich in argen Grenzen. Von Dirk Beutel 

Die Vorwürfe sind enorm, die der BUND Hochtaunus   unter anderem der Stadt Oberursel und dem Regierungspräsidium Darmstadt  in einem Dossier vorwirft. Erkrankungen der Bevölkerung sollen bewusst in Kauf genommen worden sein. Es soll zu massiven Versäumnissen der Verantwortlichen gekommen sein, hinsichtlich der Informationspolitik und bei den Sanierungsarbeiten des mit Schadstoffen belasteten Bodens in der Eppsteiner Straße 11-13. Der BUND fordert den Abriss der Häuser und die Umsiedlung ihrer gefährdeten Bewohner. Zum Hintergrund: Der Boden und das Grundwasser sind mit leicht flüchtigen halogenierten Kohlenwasserstoffen  (LHKW) verseucht. Diese Giftbelastung erklärt sich durch verantwortungslosen Umgang mit Abfallstoffen einer ehemaligen chemischen Fabrik. Die Abfallstoffe wurden im Hof entsorgt und die Giftstoffe liefen ins Erdreich. Dort drohen sie das Grundwasser zu belasten. „Im Umfeld der kontaminierten Bereiche sind Krebstodesfälle und Krebserkrankungen aufgetreten, die möglicherweise mit der jahrzehntelangen Belastung mit den ausgasenden Giftstoffen  zusammenhängen“, so der BUND.

"Krebserkrankungen sind aufgetreten"

Die Stadt hat zu den Vorwürfen ausführlich Stellung genommen: „In dem vom BUND verbreiteten Dokument werden eine Fülle von zum Teil sachlich unrichtigen, den Kontext grob verfälschenden Unterstellungen gegenüber Einzelpersonen auf Seiten der Stadt und der beteiligten Institutionen und Unternehmen getätigt“, teilte die Stadt mit. „Es werden keine denkmalgeschützten Häuser abgerissen und kein Anwohner muss seine Wohnung langfristig verlassen. Gleichzeitig werden die chlorierten Kohlenwasserstoffe, die in weit größerem Umfang vorliegen als zunächst abgeschätzt, schadlos aus dem Untergrund beseitigt. Die Sanierung wird noch bis 2015 weiterlaufen müssen“, heißt es vom Regierungspräsidium Darmstadt. Hinsichtlich der Schadstoffmenge ging man zunächst von etwa 600 Kilo aus, nun schätzt man durch neue Hochrechnungen mit bis zu acht Tonnen LHKW.

Schadstoffe sollen beseitig werden

Um für mehr Transparenz zu sorgen und offenbar um verloren gegangenes Vertrauen wiederherzustellen, hat die Stadt in dieser Woche in dem Ladengeschäft in der Eppsteiner Straße 11 ein Informationsbüro eingerichtet. Neben Infomaterial, geben dort Mitarbeiter der städtischen Umweltabteilung Auskunft über den Stand der Sanierungsarbeiten und stehen für Fragen zur Verfügung. Doch offenbar brennt das Thema gar nicht so vielen unter den Nägeln. „Am Dienstag kamen drei Personen, am Donnerstag waren es fünf“, heißt es auf Nachfrage bei der Stadt.

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