Das dreckige Geschäft mit der Sauberkeit.

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Putzfrauen und Zimmermächen machen ihre Arbeit meist im Schatten der Arbeitswelt. Dort werden sie allzu oft schamlos ausgenutzt.

Frankfurt - Putzfrauen und Zimmermädchen werden allzu oft von fiesen Geschäftemachern ausgenutzt. Einen besonders dreisten Fall hat der EXTRA TIPP zusammen mit der Industriegewerkschaft Bau-Agrar-Umwelt (IG BAU) einem Frankfurter Hotel aufgedeckt. Von Norman Körtge

Es ist keine Kapitulationserklärung, die Wahid B., Objektleiter einer Gebäudereinigungsfirma, am Donnerstagmittag im Konferenzraum eines Frankfurter Vier-Sterne-Hotels im Gallus unterschreibt. Aber die Forderungen, die dem eleganten Anzug-Träger mit dem langen Pferdeschwanz sowohl von der Hotel-Direktorin als auch von den Gewerkschaftern Lars Dieckmann und Taieb-Manuel Negadi in den Block diktiert werden, sind eindeutig: Ausstellen von rechtsgültigen Arbeitsverträgen bis Anfang nächster Woche, Überweisung der ausstehenden Gehälter, Einhaltung des Rahmentarifvertrages für Gebäudereiniger mitsamt des Mindestlohns von 8,82 Euro und das Zahlen von Sozialversicherungsbeiträgen.

Es ist das vorläufige Ende einer monatelangen Hinhalte-Taktik, die die Zimmermädchen Mihaela, Eva und Vasileva erduldet haben und die sie fast in den Ruin trieb, da ihnen zum Teil bis zu 2000 Euro an Gehalt fehlten. Objektleiter B., der sich sehr gepflegt ausdrücken kann, ist in die Enge getrieben worden, nachdem sich die drei Frauen an den EXTRA TIPP gewandt hatten und der die IG Bau mit ins Boot holte. Nach Aussage von B. soll nun alles nur ein großes Missverständnis gewesen sein, dass ihm jetzt Leid tue. Die Hoteldirektorin selbst will von den kriminell anmutenden Machenschaften des von ihr beauftragten Unternehmens nichts gewusst haben.

Zimmermädchen bekommen wochenlang kein Geld

Die Zimmermädchen wissen es besser. Sie informierten schon vor einigen Wochen die für sie zuständige Direktionsassistentin, dass sie entweder kein Geld bekommen oder nur sehr unregelmäßig. „Sie hat erst gesagt, sie kümmert sich darum. Doch dann sagte sie, dass müssten wir mit Wahid klären“, erzählt Mihaela. Und der erzählte dann irgendetwas davon, dass sein Subunternehmer, bei dem angeblich die Frauen angestellt sind, insolvent gegangen ist. Doch gesprochen haben die Frauen immer nur mit Wahid B. Von ihm kam auch das Geld – nicht aufs Konto überwiesen, sondern in einem gegenüber dem Hotel liegenden Café in Umschlägen überreicht.

Alleine diese Erzählung löste bei Lars Dieckmann und Taieb-Manuel Negadi schon ungläubiges Kopfschütteln aus. „Das ist Schwarzgeld. So etwas kannte ich bislang nur in der Baubranche“, sagt Dieckmann. Öfters bekomme die IG BAU mit, dass Akkordarbeit verlangt werde, die nach dem gültigen Rahmentarifvertrag nicht erlaubt sei. Denn darin heißt es klipp und klar: Es gibt einen Stundenlohn von 8,82 Euro – unabhängig von der Anzahl der gereinigten Räume.

Krimininelle Machenschaften in der Gebäudereinigungsbranche

Lars Dieckmann (links) und Taieb-Manuel Negadi von der IG BAU setzen sich für die Rechte von Reinigungskräften ein.

„Die Unwissenheit der Menschen wird einfach ausgenutzt“, berichtet Dieckmann. Zumal diese oft aus Osteuropakommen und nur wenig Deutsch verstehen. Der Markt der Gebäudereinigung sei seit der Outsourcing-Welle Ende der achtziger Jahre zu einer äußerst umsatzstarken Branche gewachsen. Mit seinen Schattenseiten mit zum Teil kriminellen Auswüchsen. „Die Gebäudereiniger bekommt kaum jemand zu Gesicht. Sie sind unsichtbar“, meint Dieckmann, der in der Vergangenheit gerade den Bankensektor unter die Lupe genommen hat.

So etwas dreistes wie bei der Firma von Wahid B. haben die beiden gestandenen Gewerkschafter aber noch nicht erlebt. So wurden wahrscheinlich auch keine Sozialabgaben geleistet und der Verdacht liegt nahe, dass bei einigen Zimmermädchen eine Scheinselbstständigkeit vorliegt. Das Argument, dass B. wegen der Insolvenz eines Subunternehmers nicht zahlen kann, kontert Dieckmann gelassen mit der Generalunternehmerhaftung. Letztendlich reicht die Haftung bis zum Auftraggeber. In diesem Fall das Hotel. Das weiß auch die Hoteldirektorin, die gute Miene zum bösen Spiel macht: „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“, gibt sie jetzt die Direktive aus.

Mihaela, Eva und Vasileva schwanken am Donnerstag noch zwischen den Gefühlen. Zum einen haben sie erlebt, dass sich jemand für ihre Rechte eingesetzt hat. Auf der anderen Seite wissen sie nicht, ob Wahid B. seine Versprechungen diesmal wirklich wahr macht und ob sie in dem Hotel noch die Möglichkeit bekommen, zu arbeiten. Der EXTRA TIPP wird den Fall daher weiter verfolgen. Die IG BAU ist unter S (069) 2426270 zu erreichen.

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