Plakat der Landungsbrücken Frankfurt sorgt für Aufruhr

Satire oder doch Sauerei?

+
Der kleine schwarze Hund blickt in die Kamera, während eine Pistole auf ihn zielt.

Frankfurt – Provokante Plakatwerbung der Landungsbrücken Frankfurt: Mit einer neun Millimeter-Pistole, Marke Beretta, zielt jemand auf einen kleinen  Hund. Darüber steht: „Kommen Sie ins Theater, sonst erschießen wir diesen Hund. “ Unterstes Niveau, sagen Tierschützer. Kunst, sagen die Theatermacher. Von Julia Renner

Sabine Stärkl kann solche Plakate nicht mehr sehen. In letzter Zeit sei sie häufiger über Künstler gestolpert, die durch (angedrohte) Tierquälerei auf sich aufmerksam machen möchten. „Tierfreunde finden das geschmacklos“, sagt die Leiterin des Tierschutzvereins Frankfurt. Sie empfindet es als Erpressung. „Das ist eine ganz üble Sache und unterstes Niveau“, schimpft die Tierschützerin. Den Theatermachern will Sabine Stärkl deshalb auch einen gepfefferten Brief mit ihrer Meinung schreiben.

Wie weit darf Werbung gehen? Sagen Sie uns Ihre Meinung als Kommentar zum Artikel.

Auch die Tierrechtsorganisation Peta ist entsetzt über die Werbung. Dass Peta selbst auch immer wieder zu drastischen Mitteln greift, um die Aufmerksamkeit auf wichtige Themen zu lenken, räumt die Peta-Aktivistin Charlotte Köhler ein. „Doch sollten Aussage und Aufmachung inhaltlich zusammenpassen, denn sonst wird aus der Botschaft schnell schlechte beziehungsweise geschmacklose Werbung“, sagt Köhler. Gerade kulturelle Einrichtungen sollten davon absehen, „makabere und abwertende Darstellungen von Tieren zu inszenieren“. Dass der Hund auf dem Plakat nicht tatsächlich leiden musste, weiß Köhler. Trotzdem: „Derart polarisierende Bilder empören tierliebe Menschen.“

Die massive Kritik kann Linus Koenig nicht nachvollziehen. Er ist künstlerischer Leiter der Landungsbrücken und hat sich die Idee, das Foto zu machen, von einem Satiremagazin aus den USA abgeschaut. „Die haben das vor mehr als 30 Jahren gemacht. Wenn sich darüber heute noch jemand aufregt, zeigt das nicht gerade, dass die Gesellschaft einen Sprung gemacht hat“, sagt er. Theater sei wichtig für die Bildung „und wenn die Leute nicht freiwillig kommen, müssen wir eben zur Waffe des Humors greifen“.

Koenig ärgert sich darüber, dass jemand den Slogan ernst nehme und die Ironie nicht verstehe. Als Tierquälerei sieht er das Plakat nicht: „Das ist Bullshit.“ Wer mit Humor und Intelligenz nichts am Hut habe, für den sei das Plakat nicht gedacht.

Wie weit Werbung gehen darf, damit beschäftigt sich der Deutsche Werberat, dem Vertreter aus Agenturen und Medien angehören. Wem eine Werbung zu weit geht, der kann sich dort beschweren. Über die Plakatwerbung der Landungsbrücken Frankfurt sei bei ihm in Berlin noch keine Beschwerde eingegangen, sagt Volker Nickel, Sprecher des Werberates. Doch der Rat könnte auch von sich aus tätig werden, sagt Nickel.

Bei dieser Werbung wäre dies durchaus begründet, sagt er. „Ich halte das Plakat für fragwürdig“, so Nickel. Ein Knackpunkt für ihn ist: „Das sehen auch Kinder.“

Setzt der Werberat ein Verfahren in Gang, gibt es zunächst eine Vorprüfung. Die 13 Mitglieder des Rates fällen schließlich die Entscheidung, ob eine Werbung beanstandet wird. Der Rat bittet dann darum, die Werbung einzustellen. Passiert das nicht, wird eine öffentliche Rüge erteilt.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare