Brauchen unsere Sanis bald Stichschutzwesten?

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Region Rhein-Main – In Nürnberg werden Rettungskräfte bei ihren Einsätzen immer häufiger attackiert. Deshalb schützen sich einige Sanitäter bereits mit Stichschutzwesten. So weit ist es im Taunus und in Frankfurt offenbar noch nicht. Von Norman Körtge

Thomas Ziegler und Joachim Düll vom Roten Kreuz in Nürnberg haben den Schritt an die Öffentlichkeit gewagt. „Mensch, wir sind doch die Guten“ heißt der Artikel in einer überregionalen Tageszeitung, in dem der Rettungssanitäter und der Rettungsassistent von ihren dramatischen Erlebnissen bei Einsätzen berichten. Von Beißattacken, Tritten und Bedrohungen mit Messer und Pistole ist die Rede. 45 Sanitäter des Roten Kreuzes in Nürnberg hätten sich deshalb auf eigene Kosten bereits eine eigene Stichschutzweste zugelegt.

„Es kommt immer mal wieder etwa vor“, berichtet Ulrich Müller, Geschäftsführer des Frankfurter Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB), der mit seinen insgesamt 70 Rettungskräften auch im Main-Taunus-Kreis aktiv ist und zu zirka 15.000 Einsätzen im Jahr ausrückt. Aber so schlimm wie in Nürnberg sei es definitiv nicht. Da es aber unbestreitbar zu Vorfällen kommt, bietet der ASB seit Jahren auch Fortbildungen wie Selbstverteidigungskurse und De-Eskalationstrainings an. Zu bedrohlichen Lagen kommt es meist, wenn bei Hilfsbedürftigen oder deren Umfeld Alkohol oder Drogen im Spiel sind, weiß Müller zu berichten. Ähnlich könne es bei psychisch erkrankten Menschen sein. Eskalierende Situationen kann es aber auch geben, wenn es etwa in Folge von Familienstreitigkeiten Verletzte gegeben habe. „Aber da ist ja dann auch die Polizei vor Ort“, berichtet Müller.

Was in Nürnberg los ist kann Oliver Backhaus, Geschäftsführer des Roten Kreuzes in Frankfurt zwar nicht beurteilen, für die hessische Metropole gibt er allerdings Entwarnung. „Ich kann mich an zwei oder drei Vorfälle in den vergangenen Jahren erinnern“, berichtet er. Gewalt bei Einsätzen gehöre deshalb auch nicht zum Schulungsinhalt. Die 60 Rettungskräfte fahren in Frankfurt pro Jahr etwa 10.000 Einsätze.

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