Salafismus-Experte Ismail Tipi

Salafisten: Es werden immer mehr

Salafisten übernehmen Tante-Emma-Läden, um Jugendliche anzuwerben. Foto: Tyler Olson, ramzi hachicho- Fotolia.com

Region Rhein-Main - Salafisten werben deutsche Jugendliche an. Nach Gehirnwäsche und Radikalisierung werden sie als Kämpfer im Irak oder in Syrien verheizt. Jetzt haben die Radikal-Islamisten eine neue Anwerbe-Masche: Sie übernehmen kleine Läden. Von Axel Grysczyk 

Ismail Tipi

Salafismus-Experte Ismail Tipi sieht neue Gefahren. Ismail Tipi redet sich in Rage: Er krempelt sich die Ärmel hoch, reißt die Augen auf, spricht ohne Pause und unterbricht nur, wenn seine Stimme zu versagen droht. Dann nippt er kurz an einem Wasserglas. Und gleich wieder sprudeln die Worte aus dem CDU-Landtagsabgeordneten nur so heraus. Es ist das Thema, das ihm den Schweiß auf die Stirn treibt: Salafismus. „Die Salafisten tarnen sich als Religionsgemeinschaft. Dabei sind sie nichts anderes als eine Terrororganisation. Und keine Terrorverbindung wächst so schnell wie die der Salafisten – keine rechte oder linke Terrorzelle kann solche Zuwächse verbuchen.“

Der deutsche Moslem mit den türkischen Wurzeln fühlt sich bestätigt. Auch im EXTRA TIPP warnte er vor Jahren: „Deutsche Eltern werden um ihre Kinder weinen.“ Jetzt ist das Realität. Der Bundesinnenminister schätzt, dass 350 Deutsche in Syrien und Irak  für Allah kämpfen. Salafismus-Experte Tipi, bestens vernetzt im Vorderen Orient, schätzt, dass es mehr als 500 sind. „Davon sind zirka 60 bis 70 junge Menschen aus dem Rhein-Main-Gebiet“, sagt er. Um neue Kämpfer für den Terror in Syrien und Irak in Deutschland zu rekrutieren, werden die Salafisten immer professioneller. Der neueste Trend: Sie übernehmen kleine Läden – Copy-Shops, Telefonläden, kleine Trinkhallen oder Tante-Emma-Läden. Tipi: „Jugendliche, die Probleme bei der Jobsuche haben, wird weisgemacht: Wenn Du bei uns mitmachst und kleinere Jobs in unserer Organisation übernimmst, dann wird etwas aus Dir. Du wirst Unternehmer, hast Dein eigenes kleines Geschäft.“ Das wirkt. Mehr als 100 solcher Läden soll es schon in Hessen geben, schätzt Tipi. Die meisten davon im Rhein-Main-Gebiet.

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"Unsere Freiheit ist Verpflichtung"

Die Läden dienen als neue Logistikzentren. Sie seien auch neue Kontaktstellen. Das funktioniere viel besser, als wenn sie Jugendliche direkt auf der Straße ansprechen. Und auch in diesen Läden wird der Koran verteilt. Experten schätzen, dass in Deutschland bereits sechs bis sieben Millionen Korane kostenlos verteilt wurden. „Mit Hilfe dieser Läden funktioniert Gehirnwäsche noch viel besser. Es ist der Aufbau einer Zellenstruktur, mit deren Form der internationale Terrorismus in vielen Ländern operiert“, erklärt Tipi. Die Versprechungen seien groß: Man bekomme nicht nur einen eigenen Laden, die Angeworbenen werden ernst genommen, die Salafisten sprechen die Sprache der Jugendlichen. Konvertieren sie, wird ihnen zugesagt, dass sie drei, vier Frauen haben werden, und dass sie für eine wirklich wichtige Sache einstehen. Verfassungsschützer beobachten, dass sich die Salafisten um besonders labile Jugendliche kümmern. Auch frisch aus der Haft entlassene junge Menschen werden gezielt angesprochen. Die Folgen sind verheerend. Nicht nur, dass Deutsche im Krieg in Syrien oder Irak verheizt werden. Sie müssen auch bei Übertritt der Grenze in ein Kriegsgebiet ihre Pässe abgeben. Tipi: „500 deutsche Pässe in der Hand von Al Kaida. Kaum vorstellbar, was die damit anrichten können.“ Zurück käme niemand. Und wenn, so Tipi, nur mit einem Spezialauftrag. Das kann sein, gezielt neue Mitglieder zu werben, aber auch einen Anschlag zu verüben.

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