Wirte ärgern sich über den Geruch der Shisha-Bars in Alt-Sachsenhausen

Knatsch im Kneipenviertel

+
Roman Kantuzar ist sauer, dass es immer mehr Shisha-Bars in Alt-Sachsenhausen gibt. Auch Junggesellenabschiede würden das Kneipenviertel in Verruf bringen, sagt der Wirt. Deshalb bedient er sie nicht mehr (siehe Schild links im Bild).

Frankfurt – Abrisshausen, Shishahausen, Assihausen: Für Alt-Sachsenhausen gibt es mittlerweile einige unrühmliche Spitznamen. Die Wirte ärgern sich über immer mehr stinkende Shisha-Bars und dutzende Junggesellenabschiede. Diese schaden dem Image des einstigen Kult-Viertels, sagen sie. Von Julia Renner

Roman Kantuzar ist sauer. „Es gibt eine Flut von Shisha-Bars in Alt-Sachsenhausen. 14 oder 15 sind es mittlerweile“, sagt der Wirt. Dass das Kneipenviertel ebenso wie der Rest von Frankfurt immer multikultureller wird, macht ihm nichts aus. Eins stört ihn jedoch mächtig: „Man kann weder drinnen noch draußen sitzen, überall ziehen die Schwaden der Shisha-Pfeifen hin.

Blick in die Kleine Rittergasse: Links und rechts säumen Shisha-Bars den Weg

Seine Fußball-Kneipe G-Block war bis vor kurzem noch das Restaurant Grundheef. Die Gäste, die zum Essen zu ihm kamen, haben sich immer wieder beschwert. „Sie haben den Gestank nicht ertragen“, sagt der 35-Jährige. Neben seiner Kneipe in der Kleinen Rittergasse gibt es allein vier Shisha-Bars. „In Spitzenzeiten stehen allein hier in der Straße 48 Pfeifen draußen.“

Und das betrifft nicht nur einige Lokale, auch die Anwohner fühlen sich von dem Gestank belästigt“, sagt die Besitzerin des Rusticana in der Großen Rittergasse, Daniela Reza. Deshalb ist bereits eine Unterschriftenliste in Umlauf, über die die Bewohner des Vergnügungsviertels ihrem Ärger Luft machen können. Auch Götz Elsässer von der Affentor-Schänke kann den Frust verstehen: „Man kommt hier her, freut sich auf gutes Essen und hat dann die Nase voll mit anderen Gerüchen.“ Das geht Roman Kantuzar auch ganz persönlich so. Bisher wohnte der 35-Jährige über seiner Kneipe, jetzt zieht er wegen des Gestanks aus.

Der Besitzer einer Shisha-Bar in der Kleinen Rittergasse kann zwar verstehen, dass manche den Rauch als Belästigung empfinden. Doch der junge Mann, der seinen Namen nicht nennen möchte, sagt auch: „Jeder muss Geld machen und macht das, was er am besten kann.“ Zigarettenrauch stinke schließlich auch.
Von der Stadt fühlen sich die Wirte im Stich gelassen. „Wenn die Voraussetzungen erfüllt sind“, sagt Ralph Rohr, Sprecher des Frankfurter Ordnungsamtes, „wüsste ich nicht, was die Stadt da machen kann.“ Da müsse die Politik tätig werden.

"Das hat der Stadtteil nicht verdient"

Lesen Sie mehr Geschichten aus Sachsenhausen:

Chima aus Sachsenhausen landet ersten Charterfolg

Mietzuschlag für Sachsenhäuser

Post-Ärger: Wenn der Bote keine Zeit mehr hat

Klinik Sachsenhausen ist die erste Adresse  für Fettabsaugungen

Wird der Schweizer Platz zur Steinwüste?

Schandfleck: Karin Teubner kämpft gegen Müll

Im Ortsbeirat fünf, zu dem auch Sachsenhausen gehört, war die massive Geruchsbelästigung durch Shishas allerdings noch kein Thema. „Deshalb hat sich noch niemand an mich gewandt“, sagt Ortsvorsteher Christian Becker. 
Vielen Wirten gehen jedoch nicht nur die Shisha-Bars gegen den Strich. Auch die Junggesellenabschiede nehmen ihrer Meinung nach Überhand und werfen ein schlechtes Licht auf das Viertel. An manchen Samstagen sind mehr als 70 Junggesellenabschiede in Alt-Sachsenhausen unterwegs, sagt Daniela Reza. Die würden häufig die Gäste anpöbeln „und sich benehmen wie die Vandalen. Das hat der Stadtteil nicht verdient“, sagt sie.

Roman Kantuzar hat sich deshalb dazu entschieden, die Heiratswilligen nicht mehr zu bedienen und das sogar auf ein Schild am Kneipeneingang geschrieben. „Manche verstehen’s, von den meisten werde ich beschimpft – von Männern und Frauen“, sagt er. „Die finden es lustig, sich daneben zu benehmen.“ Er ist sicher: „Viele Frankfurter kommen nicht mehr hier her, weil sie es asozial finden.“

Die Polizei ist regelmäßig mit dem Ordnungsamt im Einsatz, um die Lüftungstechnik in den Bars zu kontrollieren. „Auch was geraucht wird, wird überprüft“, sagt Polizeisprecher Alexander Kießling. Häufiger gab es nämlich schon Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz.

Die häufigen Junggesellenabschiede beschäftigen die Beamten aber kaum. „Polizeilich gibt es keine Probleme.“

Kommentare