Rundfunk-Abzocke bringt Jobs in Gefahr

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Vor allem Unternehmen mit vielen Fahrzeugen müssen in Zukunft mehr zahlen.

Region Rhein-Main – Gerechtere Rundfunkgebühren? Von Wegen. Stattdessen will die Politik die Betriebe der Region offenbar abzocken. Die sollen plötzlich mehr als doppelt soviel Rundfunkgebühren zahlen wie bisher. Verbände warnen schon vor Stellenabbau durch den Gebühren-Irrsinn. Von Christian Reinartz

Am deutlichsten wird der am Beispiel einer Bäckerei mit 20 Beschäftigten, vier Filialen und vier Fahrzeugen. Statt bisher 276,48 Euro muss der Betrieb 647,16 Euro hinblättern. Solche Betriebe gibt es hier zu Hauf.

Bisher wurden die Gebühren an der Anzahl der Rundfunkgeräte bemessen. Stattdessen werden ab 2013 Angestelltenzahl, Filialen und Firmenfahrzeuge einbezogen. Laut Meldungen sollen zwar kleinere Firmen von hohen Beitragssteigerungen verschont werden, was durch eine veränderte Staffelung der Rundfunkbeiträge und die Freistellung eines Fahrzeugs pro Betriebsstätte, geschehen könne, heißt es.

Kleinere Firmen sollen von hohen Beiträgen verschont bleiben

Trotz Nachbesserungen würden aber weiterhin kleine und mittelgroße Unternehmen, die auf viele Fahrzeuge angewiesen sind, übermäßig belastet werden, sind sich Experten sicher. Bau- und Kraftfahrzeug-Handwerksbetriebe leiden besonders unter der Situation. Davon gibt es laut Handwerkskammer allein im Rhein-Main-Gebiet 5086.

Klaus Linke

Warum die neuen Rundfunkgebühren mehr Abzocke als gerechte Abgabe sind, erklären zwei weitere Zahlen. „Man geht von einer Steigerung der Einnahmen aus den Gebühren von bisher 450 Millionen auf 800 Millionen Euro aus“, sagt Klaus Linke, Sprecher der Industrie- und Handelskammer in Offenbach. Und auch bei der Handwerkskammer Rhein-Main sieht man das neue Gebührenmodell mit großer Sorge. „Wir befürchten einen Rückgang der Ausbildungsplätze“, sagt Pressesprecher Lars Bökenkröger. Azubis gelten nach dem neuen Gebührenmodell nämlich als reguläre Mitarbeiter und treiben deshalb die Rundfunk-Abgabe in die Höhe. Ebenso werden Betriebe mit mehreren Filialen stärker zur Kasse gebeten. Bökenkröger: „Das muss geändert werden.“

Hiesigen Firmen stehen kurz vor einem Dilemma

Geschieht das nicht, stehen die hiesigen Firmen vor einem Dilemma. „Diese Gebühren sind eine enorme Belastung“, warnt Linke: „Die müssen das an anderer Stelle wieder einsparen. Und das passiert meistens beim Personal.“

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