Rollstuhlfahrer hat Probleme mit Straßenbahnfahrern

Behinderten absichtlich übersehen?

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Region Rhein-Main – Keiner wird gerne vom Bus oder der Straßenbahn stehen gelassen. Rollstuhlfahrer  Francois Ben Hadj passiert das aber nach eigenen Aussagen etwa zweimal pro Woche. Von Christian Reinartz

Es ist ein Thema, das Francois Ben Hadj zur Weißglut bringt. Immer wieder steht er, nach einem Unfall auf den Elektro-Rollstuhl angewiesene junge Mann, mit seinem Gefährt an der Straßenbahnhaltestelle. „Aber die übersehen mich absichtlich“, sagt Ben Hadj. Manchmal fahre er mit seinem Rollstuhl direkt neben das Fahrerhaus und winke. „Aber die schauen einfach stur geradeaus.“ Selbst der Knopf, mit dem ein Behinderter Hilfe vom Fahrer beim Einsteigen anfordern kann, würde ignoriert. Ben Hadj ist überzeugt: „So blind kann niemand sein.“ Ein aktueller Vorfall hat bei ihm das Fass zum Überlaufen gebracht. „Ich war in der Straßenbahn der Linie elf Richtung Höchst unterwegs und wollte aussteigen“, sagt er. Das war am 6. Juni gegen 18.40.

„Ich habe den Knopf für Behinderte gedrückt, um dem Fahrer zu signalisieren, dass er mir die Rampe ausklappen muss“, erinnert sich Ben Hadj. „Aber er hat sich nicht gerührt.“ An diesem Tag seien allerdings zwei Bekannte dabei gewesen. Einer musste aussteigen, um von außen an die Führerkabine zu klopfen. „Da hat er sich dann widerwillig bewegt“, sagt Ben Hadj. „Sonst wäre er einfach mit mir weitergefahren obwohl ich aussteigen wollte.“ Was dann folgt, spiegelt für Ben Hadj die Einstellung vieler Fahrer wieder. „Er sagte mir unfreundlich, dass er ja noch mehr zu tun habe und nicht alles im Blick haben könnte. Da hat man sofort gespürt, dass er einfach keine Lust hatte aufzustehen, um mir zu helfen.“ Diesmal hatte der Rollstuhlfahrer noch Glück. „Aber die sind auch schon einfach an mir vorbeigefahren und ich musste auf die nächste Bahn warten.“

Bei der Verkehrsgesellschaft Traffiq  in Frankfurt verweist Sprecher Klaus Linek auf die für die Straßenbahnen zuständige Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF). Die VGF sei in so einem Fall der bessere Ansprechpartner. Dort wiederum weist Sprecher Bernd Conrads im Fall von Ben Hadj die Zuständigkeit von sich und zurück an die Traffiq. Die Vorwürfe von Ben Hadj, dass so etwas häufiger geschehen solle, könne er nicht beurteilen. Für Ben Hadj ist diese Reaktion typisch: „Bei denen fühlt sich keiner zuständig und die Probleme werden von einem auf den anderen geschoben. Dabei geht es doch nur darum, dass ich als Behinderter ganz normal die Öffentlichen benutzen will.“ In einem Schreiben an Ben Hadj hat die Traffiq immerhin um Entschuldigung gebeten. Allerdings würde der Fahrer nach einer Befragung einen solchen Vorfall abstreiten. „Ungeachtet der Aussage des Fahrers, werden wir nochmals ausdrücklich hierum bitten, den betreffenden Fahrer auf sein kundendienstliches Verhalten überprüfen zu lassen.“

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