Rodgauer Frauen laufen Sturm

Zum Heulen: Eltern müssen mehr für Tagesmütter zahlen

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Mütter und Tagesmütter aus Rodgau haben sich gegen die neue Tagespflege-Satzung verbündet: Tagesmutter Gudrun Prümm (vorne, Dritte von links), Melanie Iser (in blau) und Katja Grünewald (rechts).

Rodgau – Neue Satzung im Kreis Offenbach: Mütter bangen um bezahlbare Tagesmütter. Der Kreis zahlt zwar mehr an die Betreuer, doch bei denen kommt das nicht immer an. Von Angelika Pöppel

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Die Betreuung durch eine Tagesmutter im Kreis Offenbach soll teurer werden. Doch auch die Betreuer haben am Ende nicht mehr Geld raus. „Wir leisten einen wichtigen Beitrag zur flächendeckenden U3-Betreuung, aber der Kreis macht die Tagespflege unbezahlbar “, sagt Gudrun Prümm, Tagesmutter aus Rodgau. Auch die Mütter, die die Dienste der Tagesmutter dankend annehmen, sind wütend: „Der Wiedereinstieg in den Beruf wird uns noch schwerer gemacht“, sagt Katja Grünewald aus Jügesheim. Der Stundensatz, den die Eltern an den Kreis zahlen, steigt von 1,17 Euro auf 1, 46 Euro. Damit könnten sie in einigen Fällen mehr als 100 Euro mehr bezahlen. Bis zum Jahresende kostet die 40-Stunden-Betreuung noch rund 187 Euro im Monat, nach der neuen Satzung müssen die Eltern mit Essen 293 Euro bezahlen. „Wenn ich mir eine Tagesmutter nicht mehr leisten kann, muss ich den Beruf aufgeben“, sagt MutterKatja Grünewald.

Tagesmütter betreuen in der Regel ein Kind nicht 40 Stunden in der Woche

Bisher zahlte der Kreis 3,50 Euro pro Kind und Stunde an die Tagespfleger. Zusätzlich erhielten die Betreuer je nach Stundenleistung ein Plus von 150, 200 oder 250 Euro (Bambini-Mittel) Fördermittel im Monat. Ab dem 1. Januar 2014 bekommen sie pro Stunde und betreutem Kind 4,95 Euro. Davon fließen 3,55 Euro für die Betreuung, 1,40 Euro für die Sachkosten, hinzu kommt, das Essensgeld von 60 Euro im Monat. Die Bambini-Mittel von bis zu 250 Euro pro Kind und Monat behält der Kreis. Eine Tagesmutter, die ein Kind für 40 Stunden die Woche betreut, bekam bisher 810 Euro. Künftig erhält sie, wenn sie kocht, 852 Euro, wenn nicht 792 Euro.

Dazu kommt: Mit der neuen Satzung verdienen Tagesmütter nur auf den ersten Blick mehr. Bei einer 40-Stunden-Betreuung sind es statt vorher 810 Euro, künftig 852 Euro (siehe Infokasten rechts). Doch die meisten Mütter lehnen eine Vollzeitbetreuung ab. „Ich will mein Kind gar nicht fünf Tage die Woche sechs Stunden abgeben, wenn ich nur Teilzeit arbeite“, sagt Melanie Iser, Mutter eines Sohnes. Auch Tagesmutter Prümm bestätigt: „Dafür gibt es gar keine Nachfrage.“ Bei einer Betreuung von 22 Stunden verdient Prümm 458 Euro plus rund 20 Euro im Monat durch Zusatzverträge mit den Müttern für Essen. Nach der neuen Satzung werden zwar 60 Euro Essensgeld drauf gezahlt, aber nur anteilig auf die Stundenzahl. So sind es bei 22 Stunden nur rund 30 Euro und somit 465 Euro. Somit können Tagesmütter nur bei voller Auslastung mehr verdienen.

Zuzahlungen an Tagesmütter verboten

Aufreger ist das Verbot der Zuzahlungen seitens der Eltern. „Ich habe dadurch keinen Freiraum mehr, um zu kalkulieren“, sagt Prümm. Kordula Egenolf vom Kreis Offenbach hält dagegen: „Eine Anpassung der Tagespflegesatzung ist durch die Einführung eines Rechtsanspruchs auf einen U3-Platz notwendig geworden. Wir setzten nur die Rechtslage um.“ Deshalb solle dieses Verfahren, auch auf andere Landkreise ausgeweitet werden.

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