Rodgauer Augenärztin soll für lau arbeiten

Ihr Werdegang ist lückenlos: 1993 bis 1999 Studium an der Pyrohow-Medizinuniversität Wimyzja. Nach dem Diplom eine anderthalbjährige Weiterbildung. Von März 2001 bis Oktober 2004 ist sie Augenärztin am städtischen Krankenhaus Yampol mit 500 Betten.

Dort hat sie bereits kleinere Operationen am vorderen Augenabschnitt vorgenommen. In einem dicken schwarzen Ordner hat sie alle Nachweise, auch von offiziellen Dolmetschern ins Deutsche übersetzt. Dass sie nach Deutschland gekommen ist, hat mit Lazlo zu tun. Mit ihm, ihrem heutigen Ehemann, lebt die 32-Jährige seit Oktober 2004 in Nieder-Roden.

Auch hier will sie in ihrem Beruf als Augenärztin arbeiten. Lernt deutsch, wühlt sich durch das deutsche Antrags-Wirrwarr, sucht mehrfach den Kontakt zur deutschen Ärztekammer. Ergebnis: Sie muss zwei praktische Jahre bei einem Augenarzt oder in einem Krankenhaus nachweisen. Anschließend eine Prüfung ablegen, dann kann sie praktizieren. Sie schreibt 30 Bewerbungen, fragt hier an, stellt sich vor. Zunächst erfolglos. Dann endlich bekommt sie eine Stelle in einer Augenarztpraxis in Wiesbaden. Ihr Lohn: 700 Euro. Ferenc: "Ich bin jeden Morgen mit der S-Bahn nach Wiesbaden gefahren, habe mich eigenständig um die Patienten gekümmert, den Papierkram erledigt und dann diese Bezahlung."

Doch die junge Frau hält an ihrem Berufswunsch fest. Insbesondere deswegen, weil seit diesem Jahr eine zweijährige Frist läuft, in der sie den praktischen Teil angehen muss. "Dafür habe ich auch in Kauf genommen, dass ich offiziell bei den Behörden nicht angemeldet wurde", sagt sie. Das bekommen Ärztekammer und Rentenversicherung spitz. Folge: Nach fünf Monaten ist die junge Fachärztin Ende Juli ihren Job wieder los. Der Chefin tutâ??s leid. Als Trost wird ihr das Angebot unterbreitet, im Oktober wieder anzufangen â?? dann aber ganz ohne Bezahlung. "So etwas ist nicht fair", sagt sie.

Wieder schreibt sie Bewerbungen. Neu beflügelt durch die Tatsache, dass es in Rodgau keinen Augenarzt mehr gibt. Das ist ihre Chance. In einer Klinik in Offenbach wird sie vorstellig. Ihr wird attestiert, dass sie gut sei. Sie könne sofort anfangen. Aber: Ohne Bezahlung!Sie ist enttäuscht. Das will sie sich nicht bieten lassen. "Ich weiß, dass mein Deutsch besser werden muss. Dafür lerne ich jeden Tag. Aber ganz ohne Geld arbeiten, das geht nicht", sagt sie.

Jetzt schreibt sie weiter Bewerbungen. Außerdem büffelt sie täglich Fachbücher. Schließlich will sie zumindest die mündliche Prüfung ablegen und sich auch ständig mit ihrem Traumberuf beschäftigen.Ihr Mann Lazlo kann das alles nicht verstehen: "Wir wollen für unsere Stadt etwas Gutes tun. Aber wir bekommen überhaupt keine Unterstützung. Es muss doch möglich sein, dass meine Frau für ihre Arbeit Geld bekommt. Sie ist angehende Ärztin", sagt er. Sie will nicht locker lassen. Jetzt will sie sich für einen Deutsch-Intensivkurs an der VHS anmelden. Sie glaubt, dass ihre Probleme damit zu tun haben, dass sie keine Deutsche ist. Der Kurs kostet 200 Euro. Die will sie zahlen. Es ist für ihren Traum.

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