Rivalen der Rennbahn

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Gefährliche Nähe: Eine Radfahrerin im toten Winkel eines LKWs.

Frankfurt –  Um die Stadt fahrradfreundlicher zu machen, werden künftig mehr Strecken für den Radverkehr freigegeben. Neben Autos, U-Bahn, Straßenbahn und Bussen quetschen sich dann auch Radler durch die Hauptverkehrsadern der Mainmetropole. Schon jetzt häufen sich Unfälle. Von Mareike Palmy

Jeden Tag geraten in Frankfurt Autofahrer und Radfahrer aneinander. Es wird gehupt, geklingelt, gepöbelt und geschimpft. Während die Fahrradfahrer den Zustand der Wege und die Lücken im Radwegenetz kritisieren, klagen Autofahrer, dass sie ihre Spur mit den Zweirädern teilen müssen, und diese den Verkehrsfluss hindern.

„Die Rücksichtnahme der Verkehrsteilnehmer im Stadtgebiet lässt zu wünschen übrig“, weiß auch Dieter Herberg, Leiter der Polizeidirektion Verkehrssicherheit. „Vor allem die Verhaltensweise der Radfahrer ist extrem unfallträchtig. Sie benutzen die falsche Straßenseite, machen Fehler beim Abbiegen oder Einordnen und rasen über rote Ampeln, da knallt‘s dann“, sagt Herberg.

Allein im Dezember 2011 gab es 382 Unfälle im Frankfurter Stadtgebiet, jeder vierte davon war mit einem Fahrrad. Erst Anfang März kam es am Scheffeleck zu einem schweren Zusammenstoß, bei dem ein 16-jähriger Radfahrer von einer U-Bahn erfasst und darunter geschleudert wurde.

Die unfallreichsten Strecken:

„Jedes Jahr gibt es im Durchschnitt zwei Todesopfer. Alle U-Bahn-Linien verlaufen auch oberirdisch. An Stellen wie der Münchner Straße, der Bockenheimer Warte oder am Zoo müssen sich Autos, Räder, Bus und Bahn die Straße teilen. Das sind unfallträchtige Strecken, unsere Fahrer sind deshalb dort besonders aufmerksam“, sagt Bernd Conrads von der Verkehrsgesellschaft VGF.

Auf den ohnehin chronisch verstopften Straßen wird massiv gedrängelt. Der Platz wird durch die neu ausgewiesenen Radwege noch knapper. „Ärgerlich ist‘s vor allem, wenn die Radfahrer ihre Wege nicht benutzen oder sich dicht an den Autos vorbeischlängeln. Am gefährlichsten empfinden wir Taxifahrer aber das Entgegenkommen in der Einbahnstraße, was in Frankfurt erlaubt ist“, sagt Hans Peter Kratz, Chef der Taxivereinigung.

Eine der unfallreichsten Strecken ist die Hanauer Landstraße zwischen Sonnemannstraße und Mainkur. Neben dem hohen Verkehrsaufkommen kommt es dort immer wieder zu Unfällen, weil Radler an den zahlreichen Ein- und Ausfahrten von den Autofahrern übersehen werden oder ihnen die Vorfahrt genommen wird. „Wenn sie dann noch entgegen die Fahrtrichtung düsen, wird‘s gefährlich. Deswegen verzeichnen wir auch eine deutliche Steigerung der Unfälle insgesamt. Auch die Zahl der schwerverletzten Radfahrer im vergangenen Jahr ist gestiegen“, sagt Herberg.

Eine friedliche Koexistenz von Auto, Rad, Bus und Bahn ist für die verantwortlichen Verkehrsplaner jedoch in Sicht. „Je mehr Radfahrer es werden, desto mehr nehmen die Probleme ab. Das Nebeneinander der einzelnen Verkehrsteilnehmer wird sich bessern, denn mit der Zeit werden sie sich gegenseitig akzeptieren. Was jetzt noch Schilder anzeigen, wird bald auch im Kopf der Auto- und Radfahrer ankommen“, glaubt Ulrich Schöttler, Leiter des Frankfurter Straßenverkehrsamts.

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