Stadt machtlos 

Anwohner in Nied: „Wir sind Frankfurts Müll-Ghetto!“

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Berge von Sperrmüll sind das größte Problem in der Wohnanlage an der Werner-Bockelmann-Straße.

Frankfurt – Meterhoch stapelt sich der Sperrmüll in einer Wohnanlage in Nied. Dazwischen jede Menge aufgerissene Tüten mit stinkendem Hausmüll. Wird der Abfall abgeholt, dauert es nur vier Tage. Dann sind die Müllberge wieder da. VonChristian Reinartz

Bewohner Reinald Blöser reicht es jetzt: „Ich habe es satt, wie auf einer Müllkippe zu leben. “.

Woche für Woche nimmt Reinald Blöser den Telefonhörer in die Hand, um sich bei der Hausverwaltung über die Müllberge zu beschweren, die sich wieder im Eingangsbereich der Wohnanlage an der Werner-Bockelmann-Straße angesammelt haben. Wenn er Glück hat, kommt dann irgendwann ein Müllfahrzeug vorbei, das den Unrat abholt. „Aber einen Tag später ist schon wieder ein kleiner Berg zu sehen.“ Der wachse dann ein paar Tage. „Bis es eben nicht mehr geht. Dann rufe ich wieder an.“

„Mieter sind zu faul, ihren Müll in die Tonnen zu packen.“

Wer den Müll dort hinstellt, glaubt Blöser zu wissen. „Da kommt keiner von außen“, sagt er ärgerlich. „Das sind die Mieter selbst. Die sind zu faul, ihren Müll in die Tonnen zu packen. Stattdessen wird er einfach zum Sperrmüll gestellt, der da sowieso immer rumsteht.“

Im Ordnungsamt kennt man die Problematik. Sprecher Ralph Rohr: „Wir sind machtlos, denn die Ablagerungen liegen auf Privatgrund, der in diesem Fall auch noch umfriedet ist.“ Daher informiert das Ordnungsamt die Besitzerin der Wohnanlage, die Deutsche Annington.

So sieht es im Müll-Ghetto aus

Wohnanlage in Nied versinkt im Müll

Auch Peter Postleb, Leiter der Stabsstelle Sauberes Frankfurt, kennt die Anlage. „Das ist schon eine der extremsten Situationen in der ganzen Stadt“, attestiert er. Er kann die Vorgehensweite der Deutschen Annington nicht verstehen. „Da passiert nicht viel, obwohl wir auch von Seiten der Stadt versucht haben, Einfluss zu nehmen.“ Das habe sich aber als sehr schwierig herausgestellt. Oft habe die Stadt auf Anfragen einfach keine Rückmeldung erhalten. Erst in letzter Zeit sei der Kontakt etwas besser geworden.

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Bei der Deutschen Annington sagt Unternehmenssprecher Philipp Schmitz-Waters, es sei alles getan worden, um das Müllproblem in den Griff zu bekommen. „ Leider führt eine Kombination aus Mülltourismus und fehlerhafter Müllentsorgung einiger Mieter zu der Situation in der Werner-Bockelmann-Straße. Einer unserer Abfallmanagement-Dienstleister ist sechsmal wöchentlich vor Ort. Der Müllplatz wurde bereits umgebaut und eine zusätzliche Sperrmüllabfuhr beauftragt. Hinweisschilder und Mieteranschreiben über richtige Müllentsorgung wurden angebracht und verschickt. Eine regelmäßige, zweiwöchige Sperrmüllabfuhr wurde eingerichtet.“

Geholfen hat das aber laut Reinald Blöser nichts: „Im Gegenteil. Es wird immer schlimmer. Mittlerweile sind wir Frankfurts Müll-Ghetto.“

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