Auf die richtige Spur bringen

+
Zeigen auf den Gefahrenherd Linksabbiegespur vom Mainkai zum Pfarrturm: Eugen Stein (von links), Thomas Schmidt, Patrick Bolingier, Mehmet Atasayar und Ugur Cura.

Frankfurt – Er ist laut, gefährlich und zerstört immer mehr ihr Haus. Der Verkehr am Mainkai macht den Anwohnern das Leben immer mehr zur Hölle. Vor allem eine Ampel halten sie für eine Gefahrenquelle. Von Andreas Einbock

In gemütlicher Runde sitzen acht genervte Anwohner als kleine Interessengemeinschaft im Café von Ugur Cura. Der Ladenbesitzer diskutiert mit seinen Leidensgenossen über die prekäre Situation vor ihrer Haustür. Mehmet Atasayar kennt die Problematik schon seit zehn Jahren.

„Der Verkehr ist immer schlimmer geworden. Den Balkon kann man nur noch zum Trocknen der Wäsche nutzen“, sagt der Bewohner. Richtig gefährlich sei allerdings der Linksabbiegerverkehr. „Der behindert oft den Verkehrfluss und verursacht Unfälle“, so Atasayar.

Gehupe ist geschäftsschädigend

Ugur Cura zeigt die Risse in seinem Café.

Die Ursache vermutet Cura in der fehlenden Beschilderung. „Die hinteren Fahrer sehen nicht, dass man links abbiegen kann. Dann rasen sie wild um die haltenden Autos rum und hupen wie verrückt“, sagt der Cafébesitzer. Dadurch würden ihm viele Kunden fern bleiben. Auch die Gäste, die zum ihm kommen, leben gefährlich. Denn die Ampelschaltung vor dem Geschäft ist zeitversetzt geschaltet. Während auf der einen Seite die Autos rot haben, rollt der Verkehr der Gegenseite noch 20 Sekunden weiter. Fußgänger, die nur die wartenden Autos sehen, animiere das zum Loslaufen, haben sie schon oft beobachtet. „Es ist ein Wunder, dass noch niemand umgefahren wurde“, so Cura.

Aber auch nachts sei es oft ungemütlich. „Dann donnern die LKWs durch die Straße“, sagt Thomas Schmidt, durch dessen Wohnung sich bereits eine dicker Riss gebildet habe, und ergänzt: „Seit es die EZB-Baustelle gibt, ist es noch schlimmer geworden.“ Auch im Geschäft von Ugur Cura haben sich Risse im Boden gebildet.

Ampelschaltung bereits fast 40 Jahre alt

Für die Überlegungen der Stadt, nachts am Mainkai Tempo 30 einzuführen, haben die Anwohner nur ein müdes Lächeln. „Ob 30 oder 50, die Leute fahren sowie 90 Sachen. Und wieso fragt von der Stadt niemand mal die Betroffenen“, ärgert sich Eugen Stein.

Beim Straßenverkehrsamt ist die Problematik durch eine zufällige Beobachtung eines Mitarbeiters seit zwei Wochen bekannt. „Die Signalsteuerung besteht wegen der grünen Welle seit 1973“, sagt Amtsleiter Ulrich Schöttler. Aus der Zeit stamme die Anlage, was eine Sanierung aufwändiger gestalte. Da das Sanierungsprojekt für ältere Ampeln mit dem Tempo-30-Projekt zusammenfalle, werde diese Ampel nun vorgezogen. „Es könnte schon im Herbst passieren. Aber wir räumen da jetzt auf“, verspricht Schöttler.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare