15-Jähriger beleidigt 63-Jährige

Beschimpft: Sie muss 2700 Euro für eine Ohrfeige zahlen

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Danuta Huller kann das Urteil nicht nachvollziehen.

Rodgau/Seligenstadt – Die 63-jährige Danuta Huller ist von einem 15-Jährigen so lange als „fette deutsche Hure“ bezeichnet worden, bis sie ihm eine Ohrfeige gab. Jetzt wurde sie dafür zu 2700 Euro Strafe verurteilt. Von Christian Reinartz 

Es ist nicht einfach für Danuta Huller, ihre Verärgerung über das Urteil im Zaum zu halten. Minuten vorher war der Hammer von Richterin Anke Daubner am Seligenstädter Amtsgericht gefallen: 2700 Euro muss Huller zahlen. „Und das, obwohl ich nur getan habe, was wohl die meisten Menschen getan hätten“, sagt die Rodgauerin sichtlich erregt.

Grund für die Verhandlung war eine Auseinandersetzung im August 2013. Damals hatte das Ohrfeigen-Opfer A. vor einer Wohnanlage an der Seestraße in Rodgau mit seinen Kumpels „abgehangen“. Als der im Zeugenstand sitzt, gibt er an, sich nicht mehr genau an den Vorfall erinnern zu können. Erst als Richterin Daubner ihm seine damalige Zeugenaussage vorliest, will er sich plötzlich erinnern.

Als "fette deutsche Hure" beschimpft

Die Schwester eines Freundes habe mit dem Ball im Hof gespielt, berichten zumindest auch die anderen Zeugen übereinstimmend. Das war Danuta Huller ein Dorn im Auge. Sie wies das Mädchen darauf hin, dass dort Ballspielen verboten sei. Dann kam A. mischte sich ein, und es entwickelte sich ein Disput, in dessen Verlauf A., der offensichtlich Migrationshintergrund hat, Danuta Huller mehrmals als „fette deutsche Hure“ bezeichnet haben soll. Während A. vehement abstritt, so eine Beleidigung in den Mund genommen zu haben, sagten das ballspielende Mädchen und auch einer seiner Kumpels etwas anderes aus. Beide bestätigten, dass A. solche Schimpfwörter gesagt habe. Mehrmals soll er sogar auf Huller zugegangen sein, und sie dabei immer wieder beleidigt und provoziert haben.

Danuta Huller bestätigt das gegenüber dem EXTRA TIPP: „Ich wusste mir irgendwann einfach nicht mehr zu helfen, hab ihn erst gegen einen Zaun gedrückt und ihm dann eine gelangt, sonst hätte der nicht aufgehört.“ Laut Zeugen habe sie dabei ihren Haustürschlüssel in der Hand gehalten. A. klagte vor Gericht: „Ich habe danach geblutet und jetzt eine Narbe.“ Zumindest glaubt die Staatsanwältin Huller, dass die den Schlüssel nicht absichtlich als Waffe eingesetzt habe. Opfer A. hält das zumindest „für möglich“.

Rentnerin verzichtet auf Anwalt

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Nach dem Zusammenstoß rufen die Eltern des Opfers die Polizei. Die macht Beweisfotos der Verletzungen und vom Zaun, gegen den der junge Mann gedrückt worden war. Fotos, die wohl letztlich auch zur Verurteilung Hullers führten. Die beteuerte zwar, sie habe lediglich mit der Hand herumgefuchtelt, mit ihrer Ohrfeige A. gar nicht richtig getroffen und ihn nur „ein bisschen gegen den Zaun gedrückt“. Für Richterin Anke Daubner war die Beweislage jedoch offenbar eindeutig. „So etwas passiert nicht, wenn man jemanden nur ein bisschen gegen den Zaun drückt“, stellte sie schon am Anfang der Verhandlung klar.

So war es denn auch schon vor Urteilsspruch abzusehen, dass Daubner dem Straf-Vorschlag der Staatsanwaltschaft folgen würde. Zumal die Beklagte auf einen Anwalt verzichtet hatte.

„Ich hätte es nie für möglich gehalten, dass ich hier so hart verurteilt werde“, sagt Huller nach dem Verfahren. Der Junge habe sie immer wieder provoziert und derart beleidigt, „dass mir irgendwann die Hutschnur geplatzt ist. Ich hatte aber das Gefühl, dass das überhaupt nicht berücksichtigt worden ist.“

A. ging nach seiner Zeugenaussage jedenfalls mit einem Grinsen aus dem Gerichtssaal. Das Urteil selbst warteten er und seine zur Verhandlung angerückte Familie nicht ab.

Für Huller ist das Urteil des Amtsgerichts auch über die Strafe hinaus eine echte Katastrophe. „Da wird doch das falsche Signal gesendet“, warnt sie. „Nämlich, dass man hier Leute als ,fette deutsche Hure’ bezeichnen darf, und dafür noch vom Staat in Schutz genommen wird.“

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