Reißaus nach Alkohol-Rausch

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Wer nach einem Rempler auf einem Parkplatz das Weite sucht, ohne sich um den Schaden zu kümmern, begeht eine Straftat.

Taunus – „Verkehrsunfall mit Unfallflucht“ oder „Unerlaubtes Entfernen vom Unfallort“ – es vergeht kaum ein Tag, an dem im Polizeibericht für den Main-Taunus- und Hochtaunuskreis nicht mindestens einer dieser Vorfälle genannt wird. Dabei ist Unfallflucht kein Kavaliersdelikt, sondern eine Straftat. Von Norman Körtge

Es sind die krassen Fälle von Unfallfluchten, die in Erinnerung bleiben. Etwa der des 14-jährigen Jungen im Dezember 2009, der in Frankfurt auf seinem Skateboard fahrend von einem Auto erfasst und getötet wurde. Der Fahrer flüchtete. Oder der prominente Fall um den Ex-Böhse-Onkelz-Sänger Kevin Russell, der am Silvesterabend vor zwei Jahren auf der A 66 einen Unfall mit zwei Schwerverletzten verursachte und dann zu Fuß floh.

Dagegen bleiben die alltäglichen Unfallfluchten für die Allgemeinheit lediglich Randnotizen, während die Geschädigten jede Menge Ärger haben. So darf sich etwa der Besitzer des schwarzen Hyundai, der sein Auto am Dienstag dieser Woche auf dem Parkplatz der Kita in der Gartenfeldstraße in Bad Homburg abstellte, jetzt um einen 1500 Euro teuren Schaden an der Beifahrerseite kümmern. Wie ihm ergeht es fast täglich anderen Autobesitzern. Zwischen 150 Euro und 6000 Euro belaufen sich in den zahlreichen Fällen der vergangenen zwei Wochen die Schadenssummen.

Werden Unfallflüchtige allerdings erwischt, drohen je nach Schwere der Tat hohe Strafen: Sieben Punkte gibt es auf jeden Fall, dazu Geldstrafen und es können auch bis zu drei Jahre Haft drohen.

Oft Flucht wegen Drogen oder Alkohol

Es gibt verschiedene Motive, warum jemand nach einem Parkplatzrempler oder einem Unfall das Weite sucht. Wie Thorsten Nordholt, Leiter des regionalen Verkehrsdienstes in Hattersheim berichtet, könnte mit der Fahrerflucht etwa versucht werden, eine Fahrt unter Alkohol- oder Drogeneinfluss zu vertuschen. „Oder der Fahrer ist nicht im Besitz eines Führerscheins“, sagt Nordholt. Andere befürchten, dass sie in ihrer Versicherung hochgestuft werden, während ältere Menschen angeben, sie hätten es gar nicht bemerkt.

Tiefergehende Ursachen für Unfallfluchtfahrten nennt der Frankfurter Diplom-Psychologe und Verhaltenstherapeut Reiner Mähringer-Kunz. Er ordnet die Täter in verschiedene Kategorien ein. Mähringer-Kunz, der seit 15 Jahren in seiner Frankfurter Praxis auch Verkehrssünder auf die MPU vorbereitet, versucht, seine Klienten unter anderem die Sicht des Opfers näher zu bringen. Dass sich Unfallflüchtige erst am nächsten Morgen melden mit der Ausrede, sie hätten unter Schock gestanden, wertet der Psychologe als Schutzbehauptung: „Oft haben sie sich anwaltlich beraten lassen und stellen sich dann, um die Strafe zu mildern.“

Wer ein fremdes Auto angefahren hat, muss auf jeden Fall eine angemessene Zeit auf den Besitzer warten. „Je nach Ort und Uhrzeit wird diese Zeit unterschiedlich lang ausgelegt“, sagt Nordholt. So sei es einem Unfallverursacher auf einem belebten Supermarkt-Parkplatz länger zuzumuten zu warten als mitten in der Nacht. Einfach einen Zettel hinterlassen jedenfalls reicht nicht aus. Wer gar nicht erst in den Verdacht kommen will, ein Unfallflüchtiger zu sein, der sollte die Polizei anrufen, rät Nordholt.

Typen für eine Unfallflucht:

Der Frankfurter Diplom-Psychologe und Verhaltenstherapeut Reiner Mähringer-Kunz hat eine Kategorisierung vorgenommen:

Der Impuls-Kontroll-Gestörte: Hier setzen Gefühle wie Angst oder Wut alles andere außer Kraft. Rationelles Denken ist nicht mehr möglich.

Der Perfektionist: Sind erfolgreiche und sehr leistungsfähige Menschen, die sich gar nicht vorstellen können, einen Fehler gemacht zu haben.

Der Anti-Soziale: Menschen mit wenig oder gar keinem Unrechtsbewusstsein. „Reg‘ dich nicht auf wegen dem kleinen Kratzer“, würde er beispielsweise sagen.

Der Katastrophierer: Selbst bei einem kleinen Schaden fürchtet er sich vor hohen Kosten oder Führerscheinverlust.

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