Weil Landwirte zu bequem sind, Tiere zu verscheuchen

Rehkitze von Mähwerk zerhackt

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Ein Traktor mit Mähmaschine im Einsatz.

Region Rhein-Main – Einen grausamen Fund machte vergangene Woche eine EXTRA- TIPP-Leserin. Beim Spaziergang in Seligenstadt entdeckte sie zwei tote Rehkitze.  Jährlich kommen durch Mäharbeiten hunderte Tiere ums Leben.  Von Fabienne Seibel

Das tote Rehkitz im Feld bei Seligenstadt.

Der Anblick, der sich der Seligenstädterin bietet, ist herzzerreißend: Fassungslos beobachtet sie, wie eine Rehmutter bei ihren zwei Kitzen steht. Sie stupst sie mit der feuchten Nase behutsam an, will sie zum Weitergehen auffordern. Doch ihre Kitze sind tot. Sie wurden Opfer eines Mähwerkes, als sie im hohen Gras Schutz suchten und auf ihre Mutter warteten.

Keine Seltenheit: Nicht umsonst warnt die Naturschutzbehörde des Hochtaunus-Kreises vor der meist für die Wildtiere tödlichen Begegnung mit dem Menschen. In diesem Jahr mussten Landwirte durch Regen und niedrige Temperaturen lange auf den Beginn der Mähsaison warten. Doch trotz Zeitdruck ist Umsicht geboten. Besonders während der Brut- und Setzzeit muss dem Wild Beachtung geschenkt werden, so die Naturschutzbehörde.

Landwirte sind gesetzlich verpflichtet vorsichtig zu sein

„Es gibt mehrere Maßnahmen, die Tiere vor Verletzungen durch die Mahd zu schützen“, erklärt Klaus Röther vom Landesjagdverband Hessen. Wenn auf bestimmten Ackerflächen und Feldern schon mehrmals Tiere durch die Mahd umkamen, sind Landwirte sogar gesetzlich dazu verpflichtet, Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen. „Jeder muss ein bisschen mitdenken, um zu verhindern, dass weitere Tiere umkommen. Alles andere ist aus Tierschutzgründen nicht hinnehmbar“, sagt Röther.

Am wichtigsten ist, dass Landwirte mit Jägern eng zusammenarbeiten und einen Tag vor der Mahd Bescheid geben. „Dann können Wildscheuchen oder kleine Windmühlen auf der betreffenden Wiese aufgestellt werden. Dadurch fühlen sich die Rehe gestört und die Kitze werden von den Müttern aus dem Bereich herausgeführt“, so Röther. „Witterungsbedingt können Landwirte aber häufig nicht so weit im Voraus planen“, ergänzt er.

Auf der Suche mit Infrarot-Detektoren

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Eine weitere Möglichkeit ist, die Felder kurz vor der Mahd abzusuchen. Jäger und Feldbesitzer selbst vergewissern sich auf diese Weise, ob Rehe oder andere Tiere zur Tarnung im hohen Gras sitzen. Außerdem können Landwirte mit Infrafrot-Detektoren die Wiese durchkämmen und so nach Tieren suchen. Wer all dies nicht beachtet, sollte zumindest von innen nach außen mähen, um Tieren die Chance zur Flucht zu ermöglichen. Röther merkt jedoch an: „Keine dieser Methoden ist zu 100 Prozent erfolgreich. Es kann immer mal passieren, dass ein Tier übersehen wird.“

Im Fall der getöteten Rehkitze in Seligenstadt funktionierte laut Aussagen des Bauern die Warnanlage seines Traktors nicht. Die Tiere hatten keine Chance.

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