Seht, was eure Hunde anrichten!

Jäger wollen renitente Herrchen aufrütteln

Haben es satt, dass Herrchen ihre Hunde in Feld und Wald frei laufen lassen (von links): Die Jäger Winfried Winter, Klaus Burow und Engelbert Bertrand.

Region Rhein-Main – Weil immer häufiger nicht angeleinte Hunde Rehe  reißen oder aufhetzen, schlagen Jäger Alarm. Sie haben die blutigen Greultaten dokumentiert und fordern unbelehrbare Herrchen auf, sich anzusehen, was ihr Bello anrichtet, wenn er durchs Unterholz streift. Von Christian Reinartz 

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 Es ist eine Galerie des Schreckens. Halb angefressene Rehkadaver  sind es, die Wildmeister Klaus Burow  immer häufiger irgendwo im Unterholz findet. Bei einem fehlt ein Stück Schnauze. Beim anderen kann man erkennen, wie sich ein Hund langsam in den Bauch hineingefressen hat. „Wenn man so etwas sieht, zerreißt es einem das Herz“, sagt Burow, der schon viel in seinem Jägerleben gesehen hat. „Aber wenn man mit anschauen muss, wie ein Hund am noch lebenden Reh anfängt zu fressen, dann kann man nur noch rot sehen.“ Er stellt klar: „Wenn ich mal einen Hund in flagranti erwischen sollte, dann schieße ich.“
Winfried Winter, Jagdpächter  aus Seligenstadt, pflichtet seinem Kollegen bei. „Die Leute lassen ihre Hunde einfach frei laufen und sind sich nicht darüber bewusst, was diese bei ihren Streifzügen anrichten.“ Denn nicht nur gerissene Tiere sind mittlerweile ein zunehmendes Problem. Auch die Zahl der Wildunfälle auf den Landstraßen der Region hat offenbar zugenommen. „Wir finden immer mehr ältere Rehe, die mitten am Tag auf die Straße rennen und von einem Auto erfasst werden.“ Das sei allerdings ein untypisches Verhalten, da so alte Tiere über viel Erfahrung verfügten. Winter ist sicher: „Die sind durchs Unterholz gehetzt worden und dann in ihrer Panik auf die Straße gelaufen.“

Hundehalter scheinen Problem nicht ernst zu nehmen

Auch Helmut Bernemann  vom Jagdclub Main-Taunus bestätigt: „Wir haben hier schon etliche Rehe gehabt, die von Hunden gerissen wurden.“ Die Herrchen selbst kriegen davon meist gar nichts mit. „Sie lassen ihren Hund von der Leine, und der zischt dann für fünf Minuten ab“, erklärt Jäger Engelbert Bertrand. Er weiß: „Wenn ein Hund im Unterholz minutenlang verschwindet, hat er immer eine Fährte aufgenommen und jagd Wild.“ Die Hundehalter scheinen das aber alles nicht ernst zu nehmen. Klaus Burow: „Wenn ich jemanden zur Rede stelle, wird meistens geleugnet und behauptet, dass der eigene Hund so etwas ja nie tun würde.“ Viele Hundebesitzer würden frech werden, andere wiederum ihren Hund an die Leine nehmen. Aber er hat beobachtet: „Wenn ich dann ums Eck bin, lassen sie ihn wieder laufen. Als wenn die Freiheit des Hundes das Wichtigste wäre.“ Um den renitenten und unbelehrbaren Herrchen die Augen zu öffnen, fordern die drei Jäger nun alle Hundebesitzer auf, sich die Galerie der gerissenen und zu Tode gehetzten Rehe anzuschauen. Die drei Jäger sind sich einig: „Wer seinen Hund wider besseren Wissens auf Wald und Feld von der Leine lässt, muss dann auch den blutigen Tatsachen ins Auge sehen.“

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