Region versinkt im Einbruchs-Chaos

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Die Leidtragenden sind die Einbruchsopfer.

Region Rhein-Main –  Einbrecher fühlen sich im Rhein-Main-Gebiet offenbar pudelwohl. Das geht aus der aktuellen Bundeskriminalstatistik hervor. Während der Bundesvorstand der Polizeigewerkschaft eine Offensive fordert, winken die hessischen Kollegen ab. Es gebe zur Zeit wichtigeres. Von Christian Reinartz

Es ist in Frankfurt fast schon ein Reflex. Sobald jemand auf die hohe Kriminalitätsrate zu sprechen kommt, zücken Politiker aus Wiesbaden und Frankfurt aber auch Polizei-Obere den Flughafentrumpf. Den gibt es, seit Frankfurt die Kriminalitätsstatistik im Bund anführt. Also seit 25 Jahren mit drei kurzen Unterbrechungen. Er soll sie ein bisschen abmildern, die Zahlen, damit sie nicht gar so weh tun. Denn nirgendwo in Deutschland gibt es mehr Straftaten pro Einwohner als in der Mainmetropole. 16.137 sind es pro 100.000 Einwohner.

Politiker und Polizei argumentieren, die Straftaten, die am Flughafen begangen stattfinden, würden automatisch der Stadt Frankfurt zugerechnet. Und: „Ohne die vielen Kriminellen, die nur nach Frankfurt kommen, um Straftaten zu verüben sähe es ganz anders aus.“

Aber der Flughafen gehört zu Frankfurt und die Ganoven, die von dort ihre Touren in die City starten, machen die Frankfurter Straßen unsicher. Den Opfern ist es egal, woher die Täter kommen, argumentieren Opferverbände.

Aber selbst die hessische Polizeigewerkschaft sieht keine Veranlassung ins selbe Horn zu stoßen wie ihr Bundesvorsitzender Bernhard Witthaut. Der forderte nämlich angesichts steigender Einbruchszahlen, jüngst die Innenministerkonferenz auf, eine „konzertierte Aktion“ gegen Wohnungseinbrüche zu beschließen. Doch trotz der alarmierenden Situation im Rhein-Main-Gebiet winken die heimischen Kollegen ab. „Das hat in Hessen bisher noch nicht die große Rolle gespielt“, sagt der Geschäftsführer der Gewerkschaft der Polizei in Hessen, Bernd Kuske-Schmittinger. „Wir haben im Augenblick andere Sorgen wie gewaltbereite Fußballfans und die Occupy-Bewegung.“ Die Personaldecke reiche nicht aus. „Da müssten mehr Beamte eingesetzt werden“, so Kuske-Schmittinger.

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