Die Frankfurter Dagoberts

Gestoppt: Anlagebetrüger badeten in ergaunertem Geld

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Die Polizei vor der noblen Villa der Firmengruppe S&K in Frankfurt. Die Aktion war Teil einer bundesweiten Razzia.

Frankfurt - Nach einer Razzia sind die beiden Gründer der Frankfurter Firma S&K sind gemeinsam mit vier mutmaßlichen Mittätern in Haft, Anlagevermögen in noch unbekannter Höhe ist verschwunden.

Die Frankfurter Staatsanwaltschaft stoppte gestern mit einer bundesweiten Razzia ein weiteres Schneeballsystem, mit dem mutmaßliche Anlagebetrüger einen dreistelligen Millionenbetrag ergaunert haben sollen. Die beiden Gründer der Frankfurter Firma S&K sind gemeinsam mit vier mutmaßlichen Mittätern in Haft, Anlagevermögen in noch unbekannter Höhe ist verschwunden.

Betrüger badeten tatsächlich in eigenem Geld

Nach Angaben von anderen Medien badeten die Betrüger reglmäßig in ihrem Geld und feierten ausschweifende Partys mit Bussen voller schöner Frauen.

Sie sind nun dabei, den noch nicht voll erfassten Schaden für die gutgläubigen Anleger ein wenig zu begrenzen. Sie sperrten Konten, beschlagnahmten Immobilien und Sportflitzer und stellten so nach eigenen Angaben mehr als 100 Millionen Euro für die Geschädigten sicher. Bentley, Aston Martin, Porsche, Lamborghini sollen zum Fuhrpark der S&K gehört haben. Bekannte Immobilien im Portfolio der Gruppe sind das seit Goethe berühmte Frankfurter Ausflugslokal Gerbermühle oder die Sachs-Villa in Schweinfurt.

Bilder von der Razzia

Razzia bei den Frankfurter Anlagenbetrügern S&K

Die Frankfurter Staatsanwaltschaft feiert die Großrazzia als vollen Erfolg: Sämtliche sechs Haftbefehle wurden vollstreckt, gegen die Hauptverantwortlichen, wie es heißt. Die 31 und 33 Jahre alten S&K-Gründer sind dem Vernehmen nach darunter. Offenbar haben die kritischen Presseberichte der vergangenen Wochen nicht zu Absetzbewegungen geführt, wie die Ermittler schon befürchtet hatten.

Vielzahl von Betrügereien

Der Fall reiht sich ein in eine Vielzahl von Betrügereien am kaum regulierten grauen Kapitalmarkt in Deutschland. Bekannte Vorgänger sind der angebliche Finanzdienstleister Phoenix oder die „Göttinger Gruppe“, die jeweils Hunderte Millionen Euro Schaden hinterlassen haben.

Als Anknüpfungspunkte dienen aktuelle Trends der Finanzmärkte. Im aktuellen Fall sind es die kaum noch vorhandenen Zinsen, der „Anlagenotstand“. In ihren Prospekten betont S&K dagegen die Verlässlichkeit des Immobiliengeschäfts, in dem man gerade einen rasanten Aufstieg nehme. Die Rendite-Story: Im großen Stil kaufe man Pakete fauler Hypotheken auf, um die dahinter stehenden Immobilien mit hohen Gewinnen wieder flott zu machen.

Gestern ließ die Frankfurter Staatsanwaltschaft bundesweit 130 Objekte untersuchen, um dem Unternehmen, das sich zwischenzeitlich damit brüstete, über einen Immobilienpool von 1,7 Milliarden Euro zu verfügen, auf die Schliche zu kommen. Neben Köller und Schäfer wird gegen 48 weitere Personen ermittelt.

dpa

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