Raus mit der Sprache: Redet endlich wieder deutsch!

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Berta Raab stört sich an dem Wort „via“ auf dem Bus. „Die deutsche Sprache verkommt“, klagt die Rentnerin.

Region Rhein-Main – In Deutschland leben rund sieben Millionen Ausländer. Die Folge: Hierzulande wird immer weniger Deutsch gesprochen. Stattdessen machen sich englische Begriffe breit. Das gefällt nicht jedem. Berta Raab und Gernot R. aus Seligenstadt sind entsetzt über den Verfall der Sprache und fordern jetzt: „Sprecht endlich wieder Deutsch!“ Von Mareike Palmy

Deutsche Sprache, seltene Sprache? Am Offenbacher Klinikum sind manche Schilder englisch.

Gernot R. will seinen vollen Namen lieber nicht nennen. Schließlich ist er noch in der „Stroke Unit“, der Schlaganfall-Abteilung, im Offenbacher Klinikum in Behandlung. Seitdem er dort das erste Mal das Hinweisschild zur „Stroke Unit“ entdeckt hat, fragt er sich: „Was heißt das denn? Da steht alles in deutsch, nur dieses Schild nicht. Warum kann das nicht dort ganz normal auf Deutsch stehen, damit ein deutscher Bürger und Steuerzahler das auch versteht?“ Das sieht das Krankenhaus anders: „Das wurde aus dem Englischen übernommen, wie viele anderen Begriffe auch“, erklärt Klinik-Sprecherin Carola Schell die Sprachwahl. Das dieses Schild aber für Verwirrung sorgt, will im Klinikum niemand wahrhaben. Auch die Kardiologie wird in Offenbach mit „Chest pain“, zu deutsch „Brustschmerz“, beschildert: „Manchmal fragen die Patienten, was das heißt, aber wir klären sie dann einfach auf. Stroke Unit ist mittlerweile ein gängiger Begriff für die Schlaganfall-Zentren in ganz Deutschland“, sagt Dr. Karl-Heinz Henn.

Der Verlust deutscher Worte ärgert Gernot R.: „Unsere Sprache verliert immer mehr an Bedeutung. Und schuld sind wir allein“, sagt der Seligenstädter.

Deutsche Sprache, seltene Sprache?

‚Plastikauto' hört sich nun mal nicht so toll an wie 'Bobby Car', aber es könne laut dem 54-Jährigen nicht sein, dass Kinder die deutschen Begriffe nicht einmal mehr kennen. Hier besteht nach seiner Meinung dringender Handlungsbedarf, schließlich seien Kinder „die Deutschsprecher von morgen“.

Die Kardiologie wird in Offenbach mit "Chest Pain Unit" bezeichnet.

Shampoo, Chips und City? Warum nicht Haarwaschmittel, Kartoffelscheiben und Stadt. „Ich muss mich nicht für meine Sprache schämen“, sagt auch Berta Raab. Seit Kurzem hat sich auch die 75-jährige Rentnerin der Sprachpflege verschrieben, denn sie fühlt sich mittlerweile fremd in ihrem Heimatland. Vor allem seit sie an der Frankfurter Buslinie 39 von Berkersheim nach Ginnheim das Wort „via“ entdeckt hat.

Die Schwerbehinderte nutzt häufig die öffentlichen Verkehrsmittel und findet solche undeutschen Wörter nicht angebracht: „Früher stand da noch ‚über‘ drauf“, ärgert sie sich, „das heißt in Italien, wo mein Sohn Joachim lebt ‚Straße‘. Was soll das jetzt oben auf dem Bus drauf?“, fragt sich Raab.

Dabei steht das Raabsche Unwort schon seit vielen Jahren auf den öffentlichen Verkehrsmitteln der Stadt. Und das hat zwei ganz banale Gründe, wie Klaus Linek von der Nahverkehrsgesellschaft traffiQ weiß: „Zum einen wird ‚via‘ von vielen, auch nicht deutschsprechenden Menschen verstanden, von denen es in Frankfurt ja einige gibt. Zum anderen ist es ein kürzeres Wort als ‚über‘. Und da auf einer Anzeigentafel jeder Platz zählt, haben wir uns für ‚via‘ entschieden“, erklärt er.

Der Verlust der deutschen Wörter macht viele sauer

Für Berta Raab ein Unding. Sich wieder stärker auf die Muttersprache zu besinnen, sei doch nichts Verwerfliches. „Warum sollen Ausländer Deutsch lernen, wenn wir selbst nicht mehr in unserer Landessprache reden und schreiben?“, fragt die fünffache Mutter. Für sie steht fest: Unsere Sprache muss verteidigt werden.

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