Trotz Lebensgefahr den Umzug verweigert

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Fatima Andt leidet unter schweren Allergie-schüben und muss häufig inhalieren, um überhaupt Luft zu bekommen. Ihren Balkon hat sie schon seit Monaten nicht mehr betreten, weil dort alles voller Haare der Eichenprozessionsspinner ist.

Dreieich – Die Allergikerin Fatima Andt schwebt in ihrer Wohnung in Lebensgefahr. Denn in den benachbarten Eichenkronen machen sich immer wieder Prozessionsspinner mit ihren allergieauslösenden Härchen breit. Trotzdem verweigert der Kreis Offenbach der Rentnerin auf Grundsicherung den Umzug. Von Christian Reinartz

Es ist das Jucken auf der Haut, das Fatima Andt in den Wahnsinn treibt. Weil jedesmal wenn es kribbelt, die Panik losgeht. Panik, wieder im Krankenhaus zu landen, Panik an einem allergischen Schock zu sterben. Der Grund für die Allergieattacken: Die reizenden Härchen von Eichenprozessionsspinnern, die offenbar in Wurfweite von Fatima Andts Wohnung in Sprendlingen ihre Nester gesponnen haben. „Das geht schon seit zwei Jahren so." Dreimal war die Rentnerin deswegen im Krankenhaus. Hat zahlreiche Atteste gesammelt, die bestätigen, dass sie auf die hochallergenen Härchen der Eichenprozessionsspinner mit einem lebensgefährlichen Allergie-Schock reagieren könnte. „Dann bekomme ich keine Luft mehr und mein Kreislauf bricht zusammen“, sagt Andt. Ihr schießen die Tränen in den Augen, als sie in ihrer verrammelten Wohnung im Erdgeschoss der August-Wienand-Seniorenwohnanlage sitzt. Die Fenster zum Balkon hat sie schon seit einem Jahr nicht mehr geöffnet. „Da draußen ist alles voll mit Härchen“, klagt sie. Alles ist sorgsam abgedichtet, ihre Koffer hat sie schon gepackt. „Ich will hier so schnell wie möglich weg, aber die lassen mich nicht“, sagt Andt und wühlt in den zahlreichen Briefen, die sie mittlerweile mit dem Amt in Dietzenbach gewechselt hat.

Das will einen Umzug der Rentnerin nicht anerkennen. Und tatsächlich. Zudem schreibt die Kreismitarbeiterin Andt, dass ihre bisherigen Atteste nicht ausreichen würden. „Aber da steht doch schon drin, dass es lebensbedrohlich ist“, sagt sie.

Als der EXTRA TIPP Kreissprecherin Kordula Egenolf mit dem Fall konfrontiert, ist auf einmal von Zweifeln am gesundheitlichen Problem von Andt keine Rede mehr: „Der Fachdienst Soziales erkennt die gesundheitlichen Beschwerden der Antragstellerin durchaus an und spricht sich auch nicht grundsätzlich gegen einen Umzug aus.“ Allerdings hätten Recherchen ergeben, dass es gar keine Eichen vor dem Wohnhaus von Andt gäbe. Dabei befindet sich etwa 30 Meter entfernt ein ganzer Eichenwald.

Weiter heißt es beim Kreis: Erst wenn eine dauerhafte Belastung festgestellt werde und Andt eine Wohnung fände, die nicht in der Nähe von Bäumen liege, um eine weitere Belastung durch Härchen auszuschließen, könne man den Antrag neu überdenken.

Bis dahin soll Andt sich, dem Kreis folgend, offenbar dem Risiko aussetzen. Andt ist verzweifelt: „Vielleicht müssen die mir den Umzug dann gar nicht mehr ermöglichen, weil ich dann tot bin.

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