Raucher-Gesetze machen Küche wertlos

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Reingard Veit und Peter Schmidt hinter dem Tresen im Bernemer Dippchen.

Frankfurt – Lecker Rippchen mit Kraut essen, dazu süffiges Lübzer Bier trinken und nach dem Essen direkt am Tisch genussvoll eine Zigarette anstecken – das würden Reingard Veit und Peter Schmidt ihren Gästen im Bernemer Dippchen gerne gestatten. Doch das Rauchverbot verbietet es. Daran wird auch die von CDU und FDP vorangetriebene Lockerung des Verbots nichts ändern. Von Norman Körtge

Reingard Veit und Peter Schmidt sind Nichtraucher – aber ihre Existenz hängt von Rauchern ab. Ihnen gehört das Bernemer Dippchen in der Arnsburger Straße. Eine klassische Einraumkneipe. Als im Oktober 2007 das absolute Rauchverbot kam, brach der Umsatz um zirka 25 Prozent ein. Traditionen gingen kaputt. „Wir hatten hier montags immer eine Skatrunde. Die sind nicht mehr gekommen“, berichtet Schmidt. Auch treue Gäste, die vorher kamen, um Zeitung zu lesen, ein Bier zu trinken und dabei eine Zigarette zu rauchen, blieben weg. Und gewonnen hätten sie durch das Rauchverbot auch keinen einzigen Gast, ergänzt Lebensgefährtin Veit.

Ein wenig normalisiert habe sich die Lage im Bernemer Dippchen, nachdem das Bundesverfassungsgericht im Juli vergangenen Jahres der Beschwerde von Betreibern kleiner Kneipen nachgekommen war. Seither wird das Rauchen in Einraumkneipen zumindest toleriert, bis die Bundesländer neue Gesetze erlassen.

25.000-Euro-Küche kann abgeschrieben werden

Die Küche aber darf kaum genutzt werden. Denn angeboten werden dürfen nur kalte und einfach zubereitete warme Speisen. Für Reingard Veit ein Desaster. Rund 25.000 Euro hatte sie zusammen mit Schmidt in eine neue Küchenausstattung investiert.

Auch wenn ein neues Raucher-Gesetz zum 1. März 2010 in Kraft treten wird, kann Veit ihre gut ausgestattete Küche nicht für ihre Kneipe nutzen. Denn in diesem Gesetz wird nur festgeschrieben, wie es derzeit bereits gehandhabt wird. So bleibt es weiterhin verboten, warme Mahlzeiten zu kochen. Außerdem müssen die Kneipen als Raucherlokale gekennzeichnet sein, und der Zutritt ist erst ab 18 Jahren gestattet.

Unsere eigenen Kinder dürfen hier nicht rein“, berichtet Veit über den Gesetzes-Unsinn und fügt ein weiteres Beispiel an. So sei es beispielsweise erlaubt, sich eine Pizza liefern zu lassen und dann im Bernemer Dippche zu verspeisen: „Aber kochen darf ich nicht. Wer soll das verstehen?

Deshalb Schmidts Appell: „Lasst doch die Menschen selbst entscheiden, ob sie Zigarettenrauch beim Essen stört oder nicht.

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