Begehrtes Ziel Juweliere

Schmuck-Räuber schlagen immer brutaler zu

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Schmuck-Räuber arbeiten schnell. Für einen Raub brauchen sie nur wenige Sekunden. Dass sie wie hier auf dem Bild sogar unmaskiert auf Beutetour gehen, ist längst keine Seltenheit mehr.

Region Rhein-Main – Raubzüge auf Juweliere haben Hochkonjunktur. Dabei gehen die Täter immer dreister und brutaler vor. Die Polizei hat das Nachsehen und auch die Branche macht sich zunehmend Sorgen. Von Dirk Beutel 

Sie sind schnell, dreist und brutal: Schmuck-Räuber. Die Täter sind organisiert, handeln im Auftrag und kommen nach Angaben der Polizei meist aus Osteuropa. Sogar am helllichten Tag schlagen sie zu – auch in unserer Region. Zuletzt im Juweliergeschäft Pletzsch   im Main-Taunus-Zentrum. Drei Männer mit Äxten bewaffnet stürmten Mitte Februar das Geschäft und raubten Uhren und Schmuck im Wert von etwa 700.000 Euro. Auf EXTRA TIPP-Nachfrage bestätigte Filialleiter Marcus Jakob dass er und seine Mitarbeiter die Erlebnisse mittlerweile einigermaßen aus dem Kopf hätten. „Bisher wussten wir, dass so etwas theoretisch möglich ist, nun ist es passiert“, sagt er.

300.000 Euro nach Überfall mit Auto

Solche Überfälle auf Juweliere wie im Main-Taunus-Zentrum oder der Einbruch Mitte November in der Frankfurter Innenstadt als Unbekannte rückwärts in ein Juweliergeschäft in der Fressgass gefahren und Schmuck im Wert von 300.000 Euro erbeuteten, sind spektakulär, die Täter schlagen dabei aber immer dreister und brutaler zu. Zuletzt Ende April in Bensheim, wo ein Unbekannter mit einer Axt das Schaufenster eines Juwelierladens einschlug und Schmuck aus den Auslagen mitgehen ließ.

„Wir beobachten eine zunehmende Brutalität und Unverfrorenheit, ohne Scheu oder Angst, erwischt zu werden“, sagt Joachim Dünkelmann, Geschäftsführer des Bundesverbandes der Juweliere. Dass die Täter sogar ohne Maske in die Geschäfte hineinstürmen, obwohl dort Kameras installiert seien, sei längst keine Seltenheit mehr. „Es gibt zwar keine eigene Statistik, dennoch nehmen die Überfälle auf Juweliere zu. Das bereitet uns große Sorge.“ Obwohl nach Angaben des Verbandes in der Branche kontinuierlich im Sicherheitsbereich aufgerüstet werde. Dagegen kritisiert Dünkelmann offen die Arbeit der Polizei und fordert die Politik zum Handeln auf: „Die Ermittler müssten besser ausgestattet sein, vor allem bei grenzübergreifenden Ermittlungen, um der organisierten Kriminalität Paroli bieten zu können.“

Überfälle haben zugenommen

Nach Angaben von Martin Winckel, der mit seinem Juwelier-Wachdienst in Lünen Daten und Hinweise rund um die Sicherheit in der Branche sammelt und berät, hat in Deutschland die Zahl der Raubüberfälle auf Juweliere zwischen 2007 und 2013 um 158 Prozent, bei Einbrüchen um 123 Prozent zugenommen. Die Polizei hat meist das Nachsehen. Obgleich zuletzt in Wiesbaden 18 serbische Räuber dingfest gemacht werden konnten, die dort mindestens dreimal zugeschlagen haben, ist die Aufklärungsquote niedrig.

Von einem Trend könne laut Polizei keine Rede sein: Rudi Neu, Sprecher des Polizeipräsidiums Südosthessen: „Die Zahl der im gesamten Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Südosthessen registrierten Überfälle auf Juweliergeschäfte liegt in den vergangenen zehn Jahren in einem unteren einstelligen Bereich mit rückläufiger Tendenz. In 2012 wurden fünf Fälle gemeldet. 2013 waren es drei Fälle.“ Auch sein Frankfurter Kollege André Sturmeit winkt ab: „Solche Fälle kommen immer wieder mal vor.“

Bei Sicherheit herrscht Nachholbedarf

Dennoch: Wenn es nach Martin Winckel geht, haben die meisten Juweliere bei der Sicherheit extremen Nachholbedarf. „Die allerwenigsten sind wirklich ausreichend geschützt, auch im Hinblick auf ihr jeweils individuelles Risiko“, sagt Winckel. „Und selbst wenn sie es wollten, könnten es 60 Prozent der Läden in Deutschland kaufmännisch gar nicht bewältigen.“ Anderer Punkt: Schulung der Mitarbeiter. Die finden laut Winckel gar nicht statt: „Die meisten werden kalt erwischt und sind unvorbereitet.“ Dadurch sei auch der psychologische Schaden nach einem Überfall entsprechend hoch.

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