Nager-Plage oder normale Population?

EZB-Gelände: Die Banker kommen, die Ratten sind schon da

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Ratten haben den EZB-Neubau im Blick.

Frankfurt – Ratten haben das EZB-Gelände im Frankfurter Osten knapp zwei Wochen vor dem Umzug der Banker offenbar im Griff. Immer wieder gibt es Sichtungen, und auch die Stadt hat schon zwei Sondereinsätze gegen die Schädlinge gefahren. Von Christian Reinartz 

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Genüsslich knabbern zwei Ratten im Schatten der Europäischen Zentralbank (EZB) an einem undefinierbaren Etwas, das im Rinnstein an der Sonnemannstraße vor sich hingammelt. Stören lassen sich die Ekel-Nager von vorbeifahrenden Autos oder Fußgängern nicht. Dasselbe Bild bietet sich auf dem Gelände der EZB. Wer genau hinschaut, kann die Nager auf der Suche nach Futter entdecken.

Kammerjäger Gerhard Tiefel aus Heusenstamm wundert das nicht. Er hat Erfahrung mit Großprojekten und weiß: „Auf einem solchen alten Gelände gibt es so viele totliegende Rohrleitungen oder Kellerräume, die nicht richtig versiegelt worden sind. Dort können die Ratten in Ruhe hausen.“ Dazu kämen die zahlreichen Schuttberge mit dem Müll, der auf einer solchen Baustelle anfällt. „Die Ratten leben dort wie im Paradies.“

Stadt veranlasst Sondereinsätze wegen Rattenbekämpfung

Auch bei der Stadt Frankfurt kennt man die Situation. Roland Kammerer, Chef der Abteilung Abwasserableitung der Stadtentwässerung Frankfurt sagt: „Wir hatten im Jahr 2013 und auch in diesem Jahr schon jeweils einen Sondereinsatz bei der Rattenbekämpfung im Bereich der Sonnemannstraße und der Oskar-von-Miller-Straße.“ Die beiden Einsätze seien nötig geworden, weil dort Ratten gesichtet wurden. Die Einsätze hätten zusätzlich zur flächendeckenden Rattenbekämpfung stattgefunden.

Das Problem sieht Kammerer vor allem in den großflächigen Erdarbeiten auf dem Gelände der alten Großmarkthalle, auf dem nun der EZB-Wolkenkratzer steht. „Dadurch sind möglicherweise Ratten aus ihren Höhlen und Verstecken getrieben worden“, mutmaßt Kammerer. Dadurch, dass jetzt im Herbst auch der Bewuchs zurückgehe, könne es häufiger zu Sichtungen der Nager kommen.

EZB-Sprecher sieht kein Ratten-Problem

Ein Kenner des Areals, der namentlich nicht genannt werden will, glaubt das Rattenproblem im Bereich der unzähligen Wohncontainer der Bauarbeitertrupps lokalisiert zu haben. „Da leben so viele Menschen auf dichtem Raum und produzieren natürlich auch viel Müll. Für Ratten ist das ein gefundenes Fressen.“

Bei der Europäischen Zentralbank beurteilt man die Situation anders. Andrea Jürges, Sprecherin für den EZB-Neubau, sagt: „Es gibt hier kein Rattenproblem.“ Von Anfang an sei eine Firma für Schädlingsbekämpfung im Einsatz gewesen.

Aber sie muss auch eingestehen: „Ja, es gibt hier auch Ratten, aber nicht in einem ungewöhnlichen Maß, sondern wie im übrigen Stadtgebiet auch. Das ist ganz normal und liegt daran, dass wir hier in Nähe des Mains und des Bahndamms liegen.“

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