Aufreger ist Büttenrede "Döner TV"

Rassismus-Vorwurf: Wie weit darf Narrenfreiheit gehen?

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Patricia Lowin alias Ayse von Döner TV.

Region Rhein-Main – Corrado Di Benedetto, Vorsitzender des hessischen Landesausländerbeirates, wirft dem Hessischen Rundfunk "Rassismus zur besten Sendezeit" vor. Aufreger ist Büttenrede "Döner TV" in der Faschingssendung "Frankfurt Helau". Von Norman Körtge  

Ein Faschingsmuffel sei er auf keinen Fall, betont Corrado Di Benedetto. Als Beweis führt der in Mühlheim lebende Vorsitzende des hessischen Landesausländerbeirates an, dass er nicht nur 20 Jahre in Mainz gelebt hat, sondern dort auch die Fastnacht genossen habe. Doch was er am Donnerstag vor einer Woche in der im Ersten ausgestrahlten Show „Frankfurt: Helau“ hören musste, wertet er als Attacke auf in Deutschland lebende Türken.

Di Benedetto

Die Zahnärztin Patricia Lowin hatte in ihrer Büttenrede als „integrierte Türkin Ayse“ über ihren Moderatorinnen-Job beim Offenbacher Sender „Döner TV“ berichtet. Neben einer Aufzählung der dort zu sehenden Sendungen („Döner for one“) berichtet sie über ihre Qualifikation (Putzfrau beim ZDF) und ihren Bruder, der bei der (Sende-)Anstalt in Weiterstadt arbeitet und damit das Gefängnis meint.

Für Di Benedetto hat diese Büttenrede die Grenze zur Narrenfreiheit überschritten. „Das hatte nichts mehr mit auf die Schippe nehmen zu tun“, sagt er und wirft dem produzierenden Hessischen Rundfunk mangelnde Sensibilität vor. Gerade im Hinblick auf die Ereignisse der vergangenen Monate um rechtsextremistische Taten und dass „Döner-Morde“ zum Unwort des Jahres 2011 gekürt worden ist. „Würde es beim HR einen Integrationsbeauftragten geben, wäre das nicht passiert“, meint Di Benedetto.

Patricia Lowin selbst kann die Aufregung nicht verstehen und wehrt sich gegen den Vorwurf der Ausländerfeindlichkeit. Letztes Jahr habe sie mit einem Türken in Mainz-Gonsenheim auf der Bühne gestanden. Auch habe es bislang sonst keine negativen Reaktionen auf ihr Bühnenprogramm gegeben. „Ich fühle mich jetzt diskriminiert, weil ich keine Witze mehr über Türken machen darf“, dreht sie den Spieß um.

HR-Pressesprecher Tobias Häuser stellt klar, dass die Büttenrede Teil einer Fastnachtssitzung war, in der auch Klischees bemüht werden. „Selbstverständlich kann man im Einzelfall immer geteilter Meinung sein, ob ein Witz gelungen ist oder nicht.“ Das Frankfurter Büttenredner-Urgestein Karl Oertl hat den Auftritt Lowens gesehen. Sein Urteil: „Das war kein Affront. Ich habe es als Spaß aufgefasst.

Meine Meinung: Kein Geld für plumpe Witze

Von Norman Körtge

Natürlich dürfen in Büttenreden Klischees bedient werden. Ebenso sind Witze auf Kosten von Offenbachern, Frankfurtern, Ostfriesen und selbstverständlich auch Türken erlaubt. Doch sie müssen Niveau haben. Gerade dann, wenn sie Bestandteil von Faschingssitzungen sind, die im Auftrag eines öffentlich-rechtlichen Senders wie dem Hessischen Rundfunk produziert werden und damit durch Gebühren finanziert sind. Es soll ja ein Bildungsauftrag erfüllt werden. Aber der Beitrag „Döner TV“ bei „Frankfurt Helau“, bei dem eine vermeintlich integrierte Türkin natürlich Putzfrau ist und der Bruder selbstverständlich im Knast sitzt, war einfach nur plump. Dafür will keiner GEZ-Gebühren zahlen – auch nicht in der Faschingszeit

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