Frankfurter Clubs

Türsteher weisen auffällig oft Ausländer ab

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Die Clubbetreiber weisen Rassismus weit von sich. Dennoch haben es einige Bevölkerungsgruppen offenbar schwer, in die Diskotheken zu kommen
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Region Rhein-Main – Unter Clubbesuchern der Region gilt es fast schon als normal: Ausländer werden vor Clubs auffällig oft abgewiesen. Meistens mit fadenscheinigen Begründungen. Der EXTRA TIPP hat bei den Clubs nachgefragt. Von Christian Reinartz

Der Antidiskriminierungsbeauftragte der Stadt Frankfurt, Akli Kebaili, fordert nun: „Beurteilt die Leute nicht nach ihrer Herkunft, sondern nach ihrem Auftreten. “.

Ausländeranteil 25 Prozent, Menschen aus 180 Nationen: In Frankfurt herrscht Multikulti. Nur nicht in den meisten Clubs. Denn davor wird offenbar allzuoft aussortiert. Deutsche dürfen rein, Südländer müssen draußen bleiben.

Einige Beschweren sich sogar bei der Antidiskriminierungsstelle

Das ist auch der Eindruck, den der Antidiskriminierungsbeauftragte Akli Kebaili hat. „Das ist immer noch ein Problem, obwohl es eigentlich keines mehr sein dürfte“, sagt der Leiter der Antisikriminierungsstelle. „Wir haben schon einige Fälle gehabt, die sich nach einer Abweisung bei uns beschwert haben“, sagt Kebaili. In einem Fall sei seine Abteilung tätig geworden und habe dem Clubbetreiber angeschrieben. „Danach gab es ein Gespräch, sagt Kebaili.“

Doch geändert hat sich nichts. Kebaili: „Mich wundert es, dass es in einer Stadt wie Frankfurt überhaupt möglich ist, dass Menschen nicht eingelassen werden, weil sie wie Ausländer aussehen.“ Spreche man die Clubbetreiber darauf an, bekomme man stets den gleichen Satz zu hören: „Unsere Türsteher sind selbst Ausländer. Also können die doch gar nicht rassistisch sein.“ Für Kebaili eine Farce: „Die Regeln macht doch der Betreiber und nicht der Türsteher.“

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Und wirklich: Der Geschäftsführer des LivingXXL, im Bankenviertel, Raik Wiemers, antwortet wie aus der Pistole geschossen: „Unsere Türsteher sind selbst Ausländer.“ Er gibt aber zu: „Bei uns geht es sicherlich nach Aussehen, Auftreten, eben der Gesamt-Performance.“ Dabei spiele jedoch die Herkunft keine Rolle. Dass Ausländer gar aussortiert würden, weist er von sich.

Auch Steve Blunt vom King Kamehameha an der Hanauer Landstraße will von Ausländerfeindlichkeit an der Clubtür nichts wissen. Seiner Erfahrung nach hätten aber Gruppen südländischer junger Männer häufig ein gewisses Aggressionspotential. „Auch an der Clubtür muss man sich mit den Missständen der Gesellschaft auseinandersetzen“, sagt Blunt. Das habe aber nichts mit Rassismus zu tun.

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Für Akli Kebaili schon: „Vorurteile, darf man nicht auf alle umlegen. Man sollte immer versuchen, zu differenzieren und erstmal davon ausgehen, dass jemand korrekt ist. Auch, wenn er eine andere Hautfarbe hat.“

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Christian Reinartz

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