Rätselhafter Kerzen-Klau geklärt: Friedhof-Füchse fressen Grablichter leer

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Nacht für Nacht stibitzen Füchse Grablichter und fressen das Wachs heraus. Übrig bleiben solche zerbissenen Hüllen.

Frankfurt – Auf dem Frankfurter Hauptfriedhof verschwinden jede Nacht massenweise rote Grablichter. Während viele Grabbesitzer vor einem Rätsel stehen, lüftet der EXTRA TIPP das Geheimnis: Füchse stibitzen die Kerzen und fressen sie auf. Von Christian Reinartz

Friedhofsmitarbeiter Pietro Papandrea treibt Füchse aus ihrem Versteck auf dem Hauptfriedhof. Oft graben sich die Rotpelze sogar unter Grabsteine.

Füchse gehören zum Frankfurter Hauptfriedhof wie die Tauben zur Zeil. Der Friedhofsmitarbeiter Pietro Papandrea weiß das besser als jeder andere. Er hält die Population der Rotpelze seit fünf Jahren mit der Flinte in Schach. Im Auftrag der Stadt Frankfurt. „Sonst würden es zu viele werden“, erklärt er. Seiner Schätzung nach leben zur Zeit auf dem Hauptfriedhof bis zu 40 Füchse. Die wiederum verhindern, dass sich die Kaninchenpopulation zu stark vermehren. Papandrea: „Die Füchse sind deshalb gut für den Friedhof.“

Grablichter schmecken wie Hanuta

Wenn da nicht deren ungewöhnliche Vorliebe für Kerzenwachs wäre. „Jeden Tag finde ich haufenweise zerbissene Grablichter auf dem Friedhof“, berichtet Papandrea: „Teilweise sind die richtig leer gefressen.“ Und die Füchse richten offenbar noch mehr Schäden an. „Sobald ein Grab frisch zugemacht ist, erleichtern sie sich auf der frischen Erde“, erklärt ein Mitarbeiter der Friedhofsverwaltung. Besonders schlimm: Manche Rotpelze graben sich unter das Fundament der Grabsteine und bauen dort ihre Höhle.

Die Friedhofsbesitzer standen vor einem Rätsel

Überall auf dem Hauptfriedhof tummeln sich die Rotpelze.

Die meisten Friedhofsbesucher sind aber wegen des Lichterklaus sauer. Ich habe schon einen Haufen Geld für Grablichter ausgegeben", sagt Hiltrud Wichert verärgert.  Sie pflegt das Grab ihrer Mutter. Schon zirka zwanzig Kerzen sind ihr in den vergangenen Wochen geklaut worden. „Erst dachte ich, das sind irgendwelche Jugendliche, die sich einen Spaß machen wollen“, sagt sie erbost: „Aber jetzt weiß ich endlich, dass es diese Viecher sind.“ Mit einem Draht hat sie vor ein paar Tagen ihr Grablicht am Stein festgemacht. Seitdem ist Ruhe. Aber warum fressen die Frankfurter Füchse überhaupt Wachs? Zootierarzt Bert Geyer erklärt: „Für die ist das wie ein Hanuta für den Menschen. Die haben einfach Appetit darauf.“ Es sei bekannt, dass Füchse, aber auch Kojoten und Vielfraße, ölige Dinge mögen. In den USA etwa würden sie mit Vorliebe frisch gefettete Lederriemen zerkauen. „Hier kauen die Füchse eben das Wachs. Das ist ja auch sehr ölig.“ Gesundheitsschädlich sei der Verzehr für die Füchse nicht. Geyer: „Die bekommen davon höchstens mal Durchfall.“

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