"Was hat sich die Stadt bloß dabei gedacht?"

Berger Straße: Radfahrer dürfen gegen die Einbahnstraße fahren

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Radfahrer dürfen auf der unteren Berger Straße in Frankfurt offiziell gegen die Einbahnstraße fahren.

Frankfurt - Die Stadt Frankfurt macht viel für Fahrradmobilität. Nächster Schritt: An der unteren Berger Straße dürfen die Radler jetzt entgegen der Einbahnstraße fahren. Doch einige glauben, dass dies ein großer Fehler war! Von Oliver Haas

Viele haben es illegal schon immer gemacht: Sie sind mit dem Fahrrad an der Kreuzung Mauerweg/Bergerstraße entgegen der Fahrrichtung in die Einbahnstraße (Berger Straße) gefahren. Normalerweise hätten sie den Umweg über den Mauerweg nehmen oder eben auf dem Gehweg durch die Bergerstraße schieben müssen. Wer sich fahrend erwischen ließ, zahlte bis zu 40 Euro Bußgeld. Nun ist diese Einnahmequelle der Stadt Frankfurt versiegt. Denn: Seit dieser Woche dürfen die Radfahrer dort ganz offiziell entgegen der Einbahnstraße hinein fahren. Grünen-Stadtrat Stefan Majer und Ortsvorsteherin Karin Guder haben die Regelung am Donnerstag offiziell in Kraft gesetzt. Kostenpunkt für die Schilderumrüstung und Straßenmarkierungen: Rund 10.000 Euro.

Passanten und Anwohner sind sauer

„Damit haben wir einem weiteren großen Schritt für die Fahrradmobiliät in Frankfurt getan“, sagt Guder. Sie betont, dass hier durch die Enge der Straße alle Verkehrsteilnehmer ganz besonders aufpassen müssten. „Ohne Rücksichtnahme geht es nicht. Manchmal muss es dann eben den Blickkontakt zwischen Rad- und Autofahrer geben.“ Auch Majer lobte die neue Verkehrsführung zugunsten der Radfahrer, die bereits als Modelprojekt seit 1994 in anderen Frankfurter Straßen eingeführt wurde: „Frankfurt hat damit Fahrradgeschichte geschrieben.“ Doch die neue Regelung schmeckt nicht allen auf Frankfurts Flanier- und Gastronomiemeile. Noch während der Stadtrat die Vorzüge der neuen Regelung der versammelten Presse mitteilt, wird er mit der sichtlich erbosten Passantin Julia Arlinghaus konfrontiert: „Das ist unverantwortlich! Was hat sich die Stadt nur dabei gedacht?“ Viele Radfahrer würden jetzt schon wie Rowdys durch die Berger Straße heizen.

Majer: Im Vorfeld wurde alles untersucht

„Meine Kinder sind fünf und sieben Jahre alt und ich habe jetzt einfach Angst, wenn sie den Zebrastreifen überqueren, weil jetzt Radfahrer von beiden Seiten kommen dürfen.“ Sie sei sich sicher, dass die Straße durch die schräg parkenden Autos viel zu eng für Fahrräder in beiden Fahrtrichtungen sei. Majer versucht zu beschwichtigen und weißt darauf hin, dass es dort in den vergangenen Jahren kaum zu nennenswerte Zwischenfällen gekommen sei, obwohl viele Radfahrer bereits illegal so fuhren. „Wir haben das natürlich alles im Vorfeld wissenschaftlich untersuchen und von der Polizei auswerten lassen.“ Doch die zweifache Mutter bleibt bei ihrer Einschätzung, dass die Stadt hier einen großen Fehler gemacht hat und verspricht dem Politiker: „Ich treffe sie in einem Jahr hier wieder und dann werden wir sehen, was alles passiert ist.“ Ins gleiche Horn bläst auch Anke Dannesberger, Geschäftsführerin eines Reisebüros an der Berger Straße 21.

Kein Warnhinweis in Sicht

Sie schildert gegenüber dem EXTRA TIPP: „Das funktioniert überhaupt nicht. Ich weiß nicht, welche Statistiken dort ausgewertet wurden. Es passiert immer wieder was mit Radfahrern.“ Auch ihr sei fast zweimal ein Radfahrer ins Auto gefahren, der entgegen der Einbahnstraße fuhr. Und auch Anwohnerin Barbara Deppert ist sauer auf die Stadt. „Bei der ganzen Sache wird vor allem überhaupt nicht an die Fußgänger gedacht. Es ist viel gefährlicher geworden, wenn von allen Seiten die Radfahrer kommen, aber einen Warnhinweis suche ich vergeblich.“

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