Rabiate Rohstoff-Räuber räumen die Region leer

+
Kupfer: Das Gold des kleinen Mannes. Auf dem Weltmarkt sehr beliebt.

Offenbach – Rohstoff-Räuber treiben immer dreister ihr Unwesen in der Region: Leitplanken, Spielplatzrutschen oder Abflussrohre sind vor ihnen nicht mehr sicher. Metall ist der absolute Trend unter den Diebesgütern. Gestohlen wird alles, was nicht niet- und nagelfest ist. Von Mareike Palmy

In ganz Deutschland häufen sich Metalldiebstähle, seit die Rohstoffpreise explodiert sind. Die Gier ist so groß, dass sich die Diebstähle an Dreistigkeit immer mehr steigern. Erst am Montag wurden in einer stillgelegten Kaserne an der Hanauer Lamboystraße die Stromkabel aus allen Räumen, sowie die Messing-Armaturen aus 80 Toilettenräumen geklaut. Und in der Nacht zum Donnerstag erbeuteten Metalldiebe eine Tonne Kupferkabel in einem Kieswerk in Rodgau. „Metall ist heutzutage kein Schrott mehr, sondern Wertstoff. Seitdem häufen sich die Diebstähle“, sagt Siegfried Wilhelm vom Landeskriminalamt (LKA) in Wiesbaden.

Allein in Hessen gab es gegen Ende des vergangenen Jahres 1794 Fälle, davon 146 in Südhessen. „Die Zahl der Diebstähle hängt von den Weltmarktpreisen ab. Man kann wohl ganz gut Geld damit machen“, weiß Wilhelm. So beträgt der Preis für eine Tonne Kupfer rund 6400 Euro – drei Mal so viel wie noch vor zwei Jahren.

Zinn, Messing, Kupfer sind beliebte Rohstoffe

Siegfried Wilhelm vom Landeskriminalamt.

Deshalb stehlen die Rohstoff-Räuber auch alles was die Hände tragen: Ob Blitzableiterdraht, Notrufsäulen, kilometerweise Leitplanken, Bahnschienen, Orgelpfeifen, Einkaufswagen oder Gullydeckel. Begehrt sind vor allem Kupferkabel. „Aber auch Messing und Zinn sind gefragt. Diese Rohstoffe sind Grundmaterialien in vielen kleinen und großen Gegenständen unseres täglichen Lebens“, weiß Wilhelm. Erst am Wochenende stahlen Unbekannte von einem Hanauer Schrottplatz rund 1,6 Tonnen Haushaltskabel. In manchen Städten der Region müssen Hausbesitzer sogar befürchten, dass ihre Regenrinnen bei Nacht gestohlen werden, wie die kupferne Dachrinne des Hessischen Landesmuseums in Darmstadt. Oder ihnen die Heizungsrohre im wahrsten Sinne des Wortes aus der Wand gerissen werden, wie vor einiger Zeit in Offenbach.

„Überall wo Metall leicht greifbar ist, schlagen die Diebe zu. Auf Großbaustellen, Friedhöfen oder Schrottplätzen liegen viele Buntmetalle“, erklärt Ingbert Zacharias von der Offenbacher Polizei. Bundesweit geht der Schaden wohl in die Millionen.

Selbst Kunst-Skulpturen wie die Schwanenfamilie am Offenbacher Friedrichsweiher, der Eisenvogel im Dreieichpark oder der Minotaurus vor dem Rosenheimmuseum wurden bereits Opfer von Metalldieben. „Solange die Nachfrage vorhanden ist, wird es diese Art von Diebstählen geben. China beispielsweise ist stark interessiert an unseren Metallen“, so Zacharias.

Jeder Dieb braucht seinen Hehler

Spontan und ungeplant sind die wenigsten dieser Diebstähle, denn die schwere Beute erfordert eine genaue Vorbereitung und logistische Überlegungen: „Die Täter gehen gezielt vor. Tatorte werden vermutlich vorher ausgekundschaftet. Schließlich muss sich die Aktion lohnen“, sagt Zacharias. Die Beute wird dann oft bei Schrotthändlern oder Metallbetrieben im In- und Ausland angeboten. „Die Jungs haben ihre Stellen. Schließlich braucht jeder Dieb seinen Hehler, aber die kennen wir“, so Zacharias.

Kommentare