Prozess: Unglücksradfahrer kommt mit Geldbuße davon

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Das Amtsgericht Langen verurteilte die fahrlässige Tötung einer 39-jährigen Fußgängerin mit einer milden Geldstrafe.

Langen – Weil er mit seinem Rennrad ungebremst in eine Fußgängerin gefahren war und diese drei Tage später an ihren schweren Verletzungen starb, wurde ein 55-jähriger Frankfurter zu einer Geldstrafe verurteilt. Von Dirk Beutel

„Es war eine Verkettung unglücklicher Umstände. In so eine Situation hätte jeder geraten können“, lautete das Plädoyer der Staatsanwaltschaft im Langener Amtsgericht. Dort wurde am Donnerstag ein Verfahren wieder aufgerollt, das eigentlich vergangenes Jahr eingestellt wurde. Aber die Familie des Opfers fand keine Ruhe. Sie wollte Gewissheit, wie es zu dem unglücklichen Zusammenstoß am 23. September 2010 auf der Landstraße 3262 zwischen Dreieich und Langen gekommen war, als der 55-jährigen Steven C. mit seinem Rennrad die damals 39-jährige Behice K. überfuhr und diese durch den Sturz ein offenes Schädel-Hirn-Trauma erlitt, an dem die Frau drei Tage später verstarb. Der Angeklagte soll lediglich dem Opfer zugerufen haben, dass sie Platz machen solle. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass das Opfer an diesem Tag etwa 50 Meter vor der Kreuzung „An der Trift“ die Landesstraße von links nach rechts überquerte und dabei auf der Fahrbahn hin und her lief. Warum sie das tat und sich dadurch verkehrswidrig verhielt, konnte auch bei der Verhandlung nicht abschließend geklärt werden. Das einzig Neue brachten die Untersuchungen eines Sachverständigen ans Licht, der Kleidungsstücke und das Fahrrad analysierte. Vor allem die Schürfspuren an der Innenseite der rechten Schuhferse des Opfers brachten die Verhandlung ein Stück weiter: Laut Gutachter sei eine solche Abschürfung nur möglich, „wenn eine massive Belastung auf den Körper wirkt“. Für die Staatsanwaltschaft der wesentlichste Punkt der Beweisführung. Dadurch sei klar, dass der 55-jährige die undurchsichtige Situation habe kommen sehen aber seine Geschwindigkeit nicht reduziert habe, um den Unfall zu verhindern. Dadurch verletzte er seine Sorgfaltspflicht als Verkehrsteilnehmer. Weil der Angeklagte seine Reue offen bekundete und vorher nie strafrechtlich in Erscheinung getreten war, plädierte die Staatsanwaltschaft nur auf eine Geldstrafe. Das Gericht entsprach der Forderung und verurteilte den 55-Jährigen zu 90 Tagessätzen zu jeweils 15 Euro. „Ein befremdliches Urteil für die Familie. Dadurch entgeht der Angeklagte einer Vorstrafe. Dennoch handelt es sich um ein Augenblicksversagen, bei dem auch das Opfer eine Teilschuld hatte“, sagte die vorsitzende Richterin.

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