Soziales Netzwerk in Kritik

Profil gesperrt! Wie Facebook tatsächlich mit Rassismus-Posts umgeht

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Facebook kann ganze Seiten und Profile sperren, wenn der Verdacht besteht, dass gegen die Standards des Netzwerkes verstoßen wird.

Region Rhein-Main – Das soziale Netzwerk Facebook soll Menschen auf der ganzen Welt verbinden und einfach Spaß machen. Eigentlich. Leider nutzen auch Extremisten die Plattform für ihre Ziele. Doch die Facebook-Mitarbeiter greifen nicht immer ein. Von Angelika Pöppel

„Allah ist gegen Homos, und ich hasse euch!“ – das postet ein User auf einer „gefällt-mir“-Seite zum Islam auf Facebook und nichts geschieht. Obwohl ein EXTRA TIPP-Leser die Person meldet, sieht das soziale Netzwerk keinen Handlungsbedarf und antwortet: „(...) Wir haben den von dir wegen Hassbotschaften oder -symbolen gemeldeten Beitrag geprüft und festgestellt, dass er nicht gegen unsere Gemeinschaftsstandards verstößt.“ Dabei ist das Recht auf eine selbstbestimmte sexuelle Identität sogar im deutschen Bundesgesetzes verankert.

Plattform ist mit Meldungen überfordert

Wegen solchen Vorgehensweisen hagelt es Kritik von Seiten der User. Und die Plattform ist überfordert: „In dem Bemühen, die vielen Reports von Menschen auf Facebook, die wir jeden Tag erhalten, schnell und effizient zu bearbeiten, schaut sich unser Team Tausende von Reports jede Woche an“, sagt eine Facebook-Sprecherin aus Berlin. Einige Teams arbeiten rund um die Uhr an sieben Tagen pro Woche daran, die an Facebook gesendeten Berichte zu bearbeiten. Bei der Bewertung handelt es sich immer um eine subjektive Entscheidung des Mitarbeiters – allerdings auf Basis der Facebook-Standards.

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"Unsoziales Netzwerk"

Für den Landtagsabgeordneten Ismail Tipi nicht genug. Er fordert aktuell in einem offenen Brief an Facebook-Gründer Mark Zuckerberg, salafistische Inhalte und Seiten zu sperren. Er selbst geriet ins Visier des allgegenwärtigen Netzwerks, weil er ein Foto von Hassprediger Pierre Vogel mit eindeutigem IS-Symbol postete. Daraufhin wurde seine Facebook-Seite drei Tage lang gesperrt. Dabei wollte er damit lediglich den selbsternannten Friedensbotschafter entlarven.

Der Fall zeigt, dass terroristische Symbole auf Fotos die Aufmerksamkeit der Mitarbeiter erregt. Denn nur bei verbotenen Vereinigungen werden sie selbst aktiv. Doch dazu hält sich das Unternehmen bedeckt.

Mitarbeiter werden nur bei terroristischen Vereinigungen selbst aktiv

Anders bei zahlreiche öffentlichen „gefällt mir“-Seiten, die Hass gegen Flüchtlinge, Ausländer oder Religionen verbreiten. Beispiel: Ein User fordert zur Meldung, dass immer mehr Flüchtlinge über den Eurotunnel fliehen wollen: „Zäune unter Strom setzen!“ Und das ist nur eines von etlichen Beispielen. Solche Seiten sperrt der Internet-Riese erst, wenn Mitglieder selbst Personen oder Seiten melden. „Unsere Mitarbeiter durchforsten keine öffentlichen Post unserer Nutzer“, sagt die Sprecherin auf unsere Nachfrage.

Grundsätzlich ist es so, dass alle Inhalte, die gegen die Gemeinschaftsstandards von Facebook verstoßen, gelöscht werden. „Manchmal beinhalten Posts Bildmaterial, das von öffentlichem Interesse ist, wie etwa Menschenrechtsverletzung, Terrorismus oder andere Gewalttaten. Wenn Menschen solche Inhalte teilen, tun sie dies oft, um dies zu verurteilen. Wenn solche Inhalte aus sadistischem Vergnügen oder zum Zwecke der Gewaltverherrlichung geteilt werden, dann löscht Facebook sie schnell“, erklärt die Sprecherin.

Die Zuckerberg-Mitarbeiter können im Ernstfall auch verhindern, dass der User bestimmte Inhaltsarten teilt und bei Bedarf die Daten den Strafverfolgungsbehörden übergeben.

Haben Sie ähnliche Erfahrungen mit Facebook gemacht? Dann schreiben Sie uns eine E-Mail an redaktion@extratipp.com.

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