Verbot ist "reine Hysterie"

Frankfurt verbietet Seminare von Profi-Aufreißer

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Pick-Up-Artists sind Profi-Aufreißer. In speziellen Seminaren lernen Männer, wie man mit Frauen flirtet und verführt.

Region Rhein-Main – Frankfurt will sich gegen Julien Blanc abschotten. Die Methoden des Profi-Aufreißers gelten als besonders menschenverachtend und frauenfeindlich. Ob die Stadt aber rechtlich die Möglichkeiten hat, seine Seminare zu verbieten, ist unklar. Von Dirk Beutel 

Julien Blanc zeigt, wie man Frauen um den Finger wickelt. Sie aufreißt. Der Amerikaner zeigt, wie man kalkuliert verbalen Druck aufbaut, um Frauen zum Sex zu verführen, die aber eigentlich gar nicht wollen. Zur Not auch mit Gewalt. Weil seine Methoden als besonders frauenfeindlich und menschenverachtend gelten, will die Stadt Frankfurt sein geplantes dreitägiges Pick-Up-Seminar Anfang März verbieten. „Seine Workshops sind in Frankfurt nicht erwünscht“, sagt Frankfurts Frauendezernentin Sarah Sorge: „Aktuell prüfen wir juristische und ordnungsrechtliche Schritte. Auch wenn wir rechtlich keine Handhabe haben, werde ich alles dafür tun, um solche Seminare in Frankfurt zu verhindern.“

Zu Vergewaltigung von Frauen wird aufgerufen

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Gegen die unter dem Deckmantel von Flirtseminaren veranstalteten Pick-Up-Workshops des amerikanischen Unternehmens Real Social Dynamics (RSD) um Julien Blanc , in denen offen zur Vergewaltigung von Frauen aufgerufen wird, regt sich mittlerweile seit einigen Wochen immer mehr Protest. Gegen Blanc laufen derzeit auf der ganzen Welt Protest-Kampagnen. Großbritannien und Australien haben ihm die Einreise verweigert. Auch in Deutschland fordern viele ein Verbot seiner Veranstaltungen, eine entsprechende Online-Petition hat bereits mehr als 180.000 Unterstützer gefunden.

Sorge: „Die Stadt Frankfurt wird dafür sorgen, dass diese Seminare nicht in stadteigenen Räumen oder auch in Räumen der stadtnahem Gesellschaften stattfinden. Zudem werden wir auf die Hotels und andere Anbieter von Tagungsräumen zugehen, sie über die Inhalte solcher Seminare informieren und sie auffordern, keine Räume an RSD zu vermieten. In Frankfurt haben Seminare, die zu Gewalt gegen Frauen auffordern, keinen Platz.“

Pick-Up-Profi distanziert sich von Blanc

Maximilian Pütz, Mitbegründer der deutschen Pick Up-Szene, versteht die Aufregung nicht: „Das ist reine Hysterie und Aktionismus. Es bringt doch nichts eine ganze Szene zu verteufeln und mit dem Knüppel draufzuhauen.“ Dennoch distanziert sich der der Profi-Verführer von Blancs Methoden, sie würden die Szene zu Unrecht in Verruf bringen. „Er schadet uns definitiv. Auch seine Aufrufe zu Vergewaltigung sind grober Schwachsinn.“ In Pütz´ Pick-Up-Seminaren lernen Männer wie man auf Frauen zugeht und sie anspricht. „Frauen sind Männer kommunikativ überlegen. Und ich optimiere einfach das Repertoire der Männer. Meine Arbeit hilft daher auch den Frauen, denn viele finden es gut, angesprochen zu werden.“

In Frankfurt sieht man das jedoch anders. Frankfurts Frauendezernentin Sorge: „Erst in diesem Jahr haben wir über das Internet erfahren, welchen widerwärtigen, frauenfeindlichen Charakter diese Seminare haben. Deshalb sind wir jetzt aktiv geworden. Die Veranstalter sollten wissen, wir sind in Frankfurt frauenpolitisch aufmerksam.“ Auch Pütz geht mit seinen Pick-Up Seminaren auf Tour durch Deutschland. Frankfurt steht ebenfalls auf seinem Zettel. Dass die Stadt sich jetzt so vehement gegen Pick-Up-Seminare in Zukunft wehren möchte, nimmt der 36-Jährige gelassen: „Sie können es einem schwieriger machen, aber ganz verhindern können sie Veranstaltung wie ich sie anbiete, nicht.“

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