Billig-Konkurrenz zieht lokale Betriebe runter

Preisschlacht am Bau wird immer heftiger

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Die Konkurrenz aus Osteuropa setzt deutsche Baufirmen immer weiter unter Druck.

Region Rhein-Main – Billigarbeiter  aus Osteuropa  verschärfen den Konkurrenzkampf am Bau: Arbeiter klotzen für nur ein paar Euro ran, Baufirmen unterbieten sich gegenseitig mit den Preisen. Da können deutsche Unternehmen nicht mithalten und streichen Arbeitsplätze. Von Dirk Beutel 

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Billigkräfte baggern billiger: Auf unseren Baustellen herrscht eine knallharte Preisschlacht. Die Branche boomt, doch an den Verhandlungstischen bekommt der den Zuschlag, der ohne Nachweis von Qualität das günstigste Angebot macht und die Ausschreibung damit gewinnt. Baufirmen  unterbieten sich mit ihren Angeboten. Wachstumsmotor ist ausgerechnet der Wohnungsbau  – vor allem bei uns im Rhein-Main Gebiet.
Vor allem die Billig-Konkurrenz  aus Osteuropa drückt die Preise nach unten. Das bestätigt Rainer von Borstel, Geschäftsführer des Verbandes baugewerblicher Unternehmer Hessen: „Diese Betriebe sind nicht an Tarifverträge gebunden, müssen den gesetzlichen Mindestlohn  nicht beachten und zahlen keine Sozialabgaben.“ Ein Stundenlohn zwischen fünf und sechs Euro sei die Regel: „Für Arbeiter aus Bulgarien oder Rumänien ist das viel Geld.“ Dazu komme, dass auch an den Unterkünften für die Billig-Kräfte  aus Osteuropa gespart wird und sie oftmals zusammen gepfercht in Containern untergebracht werden. Von Borstel: „Das ist teilweise menschenunwürdig.“
Ein-Mann-Firmen, Schwarzarbeit  und Scheinselbstständigkeit: Da wundert es nicht, dass der Zoll  in dieser Woche bei einer Razzia fünf Verdächtige einer Schwarzarbeiter-Bande gefasst hat. Der Vorwurf: Betrug, vorenthaltene Sozialversicherungsbeiträge, Steuerhinterziehung in Millionenhöhe. Hans-Joachim Rosenbaum  Regionalleiter der IG Bau  kennt die Zustände auch bei uns: „Alleine in der Erzbergerstraße  in Frankfurt sind über 2000 Wanderarbeiter aus Osteuropa gemeldet. Die können sich kein Zimmer, sondern nur ein Bett mieten.“

Öffentliche Auftraggeber in der Kritik

Trotzdem dreht sich die Abwärtsspirale immer weiter. „Baumaterial kostet überall dasselbe. Der Lohn ist das entscheidende Rädchen an dem man drehen kann“, sagt Burkhard Siebert, Hauptgeschäftsführer des Bauindustrieverbandes Hessen-Thüringen. Die Folge für deutsche Bauunternehmen: Mehr Arbeit für weniger Mitarbeiter, oder Jobs fallen ganz weg. Siebert: „Es wird versucht, wo es geht, die Effektivität zu steigern.“ Er kritisiert vor allem öffentliche Auftrageber  von Bauprojekten. „Dort wird nur nach dem Preis geschaut. Das ist die Wurzel allen Übels. Diese Vergabepraxis  sorgt für einen extremen Preisverfall. Die Qualität der Bauleistung wird dabei kaum berücksichtigt. Und als Zweiter bei so einer Vergabe können sie sich nichts kaufen.“

Baupfusch nimmt zu

Aber es kommt noch heftiger, denn mit der Abwärtsspirale bei den Löhnen häuften sich Fälle von Baupfusch. „Das kommt in der Tat häufiger vor, als früher“, sagt Rainer von Borstel: „Durch solche Fälle hoffen wir auch, dass sowohl die Politik als auch die Kommunen sensibler für das Thema werden und wirtschaftspolitisch sinnvoller investieren.“ Aber weil die Kommunen selbst den Gürtel immer enger schnallen müssen wird auch in den Bauämtern die Kompetenz weiter ausgedünnt. Planungen werden immer öfter an Ingenieurbüros ausgelagert. Und das kostet wiederum Geld.

Niemand identifiziert sich mit den Baufirmen

Michael Hofmeister, Sprecher des Hessischen Städtetages winkt ab: „Öffentliche Bauten sind hochqualitativ und müssen viele Kriterien und Vorgaben erfüllen. Sei es bei Kitas, Altenheimen oder Schulen. Die Kommunen unterstehen strengsten Kontrollen.“ Allerdings räumt Hofmeister ein, dass es Einzelfälle gebe, in denen nur auf den Preis gesehen werde. Siebert: „Das Problem ist, dass es dem Bauherren egal ist, wer sein Projekt hochzieht. Wer ein Auto kauft, identifiziert sich mit der Marke, so etwas gibt es beim Bau nicht.“

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