Post-Terror geht weiter: „Jetzt sind sie alle tot!“

Hainburg – Traurig schaut Margitta Massing auf das Foto ihrer Eltern. Nichts ist der Hainburgerin geblieben. Außer diesem Bild und der Erinnerung an den Psychoterror, der Elisabeth und Karl Müller in den Tod getrieben hat. Erst starb ihre Mutter im August vor Aufregung, ihr Vater vor zwei Wochen an einem Magentumor. Jetzt hat Massing Angst, dass sie die nächste ist. Von Christian Reinartz

Im Februar des vergangenen Jahres fängt alles an. Eine Bäckerei aus Seligenstadt will plötzlich 300 Brötchen bei den Müllers in der Hainstädter Kastellstraße abliefern. Noch glauben sie einen Streich. Doch dabei bleibt es nicht. Fast täglich kommen ungebetene Pakete an. Der Inhalt: Kleidung, Schuhe, Gartengeräte. Alles aus Versandhaus-Katalogen. Die Unterschrift ist immer dieselbe. „Aber sie gehörte definitiv nicht meiner Mutter“, erinnert sich Massing: „Das alles hat meine Mutter kaputt gemacht.“ Elisabeth Müller stirbt an einem Herzinfarkt, weil sie sich zu sehr aufregt.

Nun muss ihr Mann Karl den Psychoterror allein ertragen. Bis sich bei ihm ein kopfgroßer Tumor an der Magen-Hinterwand bildet. „Die Ärzte haben gesagt, dass diese Geschwulst rasend schnell innerhalb von Wochen gewachsen sein muss“, sagt Massing. Die rothaarige Frau ist den Tränen nah. „Dieser ständige Terror war zuviel für die beiden“, ist sich Massing sicher. Die Menschen, die uns terrorisieren, sind Schuld am Tod meiner Eltern. Und ich habe Angst, dass auch ich daran kaputt gehe.“

Massing setzt Belohnung aus

Wer die Unbekannten sind, vermutet Margitta Massing. „Die würden mich sofort verklagen.“ Aber der Polizei hat sie die Namen schon genannt. „Sie kommen wahrscheinlich aus meinem nahen Umfeld.“

Die Polizei nimmt den Post-Terror ernst. „Wer so etwas tut, macht sich strafbar“, erklärt Josef Michael Rösch, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Südost hessen: „Wir ziehen alle Register, um dem Täter auf die Spur zu kommen.“ Dazu seien auch schon Schriftstücke untersucht worden. Doch einen konkreten Tatverdacht hat die Polizei bisher nicht.

Ungeachtet dessen will Margitta Massing die Täter zur Strecke bringen: „Ich zahle 2000 Euro für Hinweise, die zur Ergreifung der Schuldigen führen!“ Gelingt dies nicht, hat sie sich schon einen Plan zurechtgelegt. „Dann verkaufe ich mein Haus ans Rotlichtmilieu“, droht sie: „Und das wollen diese Psychoterror-Mörder bestimmt nicht!“

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