Bauschutt, Hausmüll, Grünschnitt

Polizei machtlos! Wälder verkommen zur Müllkippe

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Kein seltenes Bild in den Wäldern der Region. Immer wieder laden Umweltschänder ihren Müll einfach in der Natur ab. Foto:
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Region Rhein-Main – Bauschutt, Hausmüll, Grünschnitt, Kühlschränke und ganze Wohnungseinrichtungen – der Forst im Rhein-Main-Gebiet verkommt zur Müllkippe. Jetzt schlagen die Revierförster Alarm. Denn selbst, wenn sie einen Umweltschänder ermitteln, kann die Polizei nichts machen. Von Christian Reinartz

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"Müllsünder hart bestrafen"

Die Dreistigkeit der Müllsünder kennt keine Grenzen. Längst sind es nicht mehr nur einzelne Mülltüten oder Farbeimer, die an den Wegesrändern der Wälder des Rhein-Main-Gebiets abgestellt werden. Mittlerweile fahren manche Umweltschänder mit dem Anhänger in den Wald und laden dort ihren Abfall ab. „Da ist alles dabei“, sagt der Revierförster Björn Thomas aus Frankfurt. „Bauschutt, Gartenabfälle, Autoreifen und Hausmüll finde ich immer wieder im Wald.“ Sogar die Überbleibsel von Wohnungsauflösungen würden dort abgeladen werden.

Und seit Plastikflaschen mehr Pfand haben als Glasflaschen findet er auch immer häufiger Scherben im Wald. „Das ist eine Gefahr für die Tiere, aber auch für die Waldarbeiter“, sagt Thomas. Ein Kollege habe sich erst vor Kurzem am Fuß verletzt. Die Glasflasche ging an der Seite durch den Sicherheitsschuh durch. „Der Mann fiel dann erstmal aus.“

"Das hat eindeutig zugenommen"

Auch Dieter Hanke, Revierförster in Neu Isenburg, hat mit der Vermüllung des Waldes zu kämpfen. „Das hat eindeutig zugenommen“, sagt er. Den Grund dafür sieht Hanke nicht nur in einem veränderten Bewusstsein gegenüber der Natur, sondern auch im Zusammenwachsen Europas. „Wenn wir jemanden erwischt haben, der Bauschutt ablädt, dann waren es immer Arbeiter aus Osteuropa gewesen.“ Er hält es jedoch für möglich, dass das daran liege, dass diese Bevölkerungsgruppe besonders häufig in der Baubranche tätig sei. „Aber auch andere Bevölkerungsgruppen nehmen es mit dem Umweltschutz nicht so genau.“ Gartenabfälle und Grünschnitt hingegen fände man besonders häufig auch in guten Wohngegenden. „Da ist der Garten teilweise wie geleckt, und dahinter im Wald liegt der Berg mit Grünschnitt und stinkt vor sich hin.“ Gartenabfall stelle eine echte Gefahr für den Wald dar. „Die Samen darin können unter Umständen die gesamte Pflanzenwelt durcheinander bringen.“ Hanke ist wichtig, dass die Leute verstehen: „Bei Abfällen gibt es keine Abstufungen. Egal ob Grünschnitt oder Hausmüll. Das alles gehört nicht in den Wald.“ Auch im Taunus wird der Wald zunehmend als Müllkippe missbraucht. „Ich kann diese Entwicklung bestätigen“, sagt Hubertus Behler-Sander, stellvertretender Leiter des Forstamts Königstein. Wobei im Taunus eher weniger Hausmüll, sondern mehr Bauschutt, Autoreifen und Grünschnitt gefunden werde.

Gartenabfälle sind gefährlich für Wälder

Doch warum nimmt die Vermüllung des Waldes immer mehr zu? Björn Thomas vermutet: „Abfall ist im Bewusstsein der Leute mittlerweile mit Kosten verbunden. Also versuchen sie zu sparen und ihren Abfall irgendwie loszuwerden.“ Die Wälder seien da wegen ihrer Unübersichtlichkeit prädestiniert. Und an der Lage wird sich wohl auch erstmal nichts ändern. Denn gegen die Umweltschänder gibt es keine Handhabe. „Einmal haben wir im Hausmüll einen Hinweis auf die Verursacher gefunden“, sagt Dieter Hanke. Doch die hätten einfach behauptet, sie wüssten nicht, wie der Müll in den Wald käme. Sie hätten ihn in ihrer Hausmülltonne entsorgt. „Da ist die Polizei machtlos gewesen.“

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Christian Reinartz

Christian Reinartz

E-Mail:christian.reinartz@extratipp.com

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