Politiker ignorieren ihren Laden

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Katrin Jacobi und Michael Dünnwald werden beim neuen Bauprojekt übergangen.

Königstein – Das Ende scheint besiegelt. Das Stadtparlament hat für den Vorvertrag mit einem Bauinvestor gestimmt – der Weg für Schneidhains ersten Supermarkt ist frei. Der kann für „Micha‘s Lädchen“ das Aus bedeuten. Von Andreas Einbock

Für Michael Dünnwald ist sein Laden sein ganzes Leben. Für viele Schneidhainer auch. Denn gemeinsam mit seiner Partnerin Katrin Jacobi verkauft der gebürtige Frankfurter nicht nur frische Brötchen, Lebensmittel, Getränke, Zeitungen und Wildspezialitäten – seit über sieben Jahren spielt sich in der Wiesbadener Straße 194 auch das Ortsgeschehen ab. „Bei uns kommen alte und junge Leute zusammen. Wir sind der Kommunikationspunkt im Ort und direkt an der Bushaltestelle“, sagt Jacobi.

Dass „Micha‘s Lädchen“ nichts mit einem gewöhnlichen Tante-Emma-Laden gemein hat, wird neben der ungewöhnlichen Kleidung der beiden auch durch die mittelalterliche Musik, die durch die drei Ladenräume strömt, deutlich. „Wir lieben diese Zeit und haben das als Thema ins Geschäft einfließen lassen“, sagt der 48-jährige Einzelhandelskaufmann. Dass das gut ankommt, sieht man an der voll besetzten Mini-Bar, an der sechs Kunden einen Tee oder Kaffee trinken.

Mittelalter verleiht Laden besonderes Flair

Jenny Damß mit Sohn Marvin.

Doch die Idylle ist getrübt. Denn die Stadt plant ein großes Bauprojekt, bei dem neben Wohnungen ein Supermarkt in dem 2000-Seelen-Ortsteil gebaut werden soll. „Damit steht unsere Existenz auf dem Spiel“, sagt Dünnwald und fügt hinzu: „Wir haben 40 Prozent Laufkundschaft. Wenn die fehlt, können wir schließen.“ Dass es nicht so weit kommt, hoffen vor allem Stammkunden wie Jenny Damß. „Als ich schwanger war, hatte ich einen Extra-Bringdienst. Viele ältere Schneidhainer sind auf diesen persönlichen Service angewiesen“, sagt die Automobilkauffrau. Lokalpolitikern und Stadtplanern scheint das egal zu sein. Auf der Stadtverordnetenversammlung am 17. März wurde mit 19 zu 13 Stimmen für das Projekt gestimmt. Am meisten ärgert Dünnwald, dass sein Laden bei der Diskussion totgeschwiegen werde. „Mit uns hat von der Stadt niemand über die Pläne gesprochen. Der Bürgermeister war noch nie bei uns“, sagt Dünnwald.

Stadtplaner vermeiden direkte Gespräche

Bei der Stadtverwaltung sieht man dafür keine Notwendigkeit. „Dafür ist es noch zu früh“, sagt Baudezernent Klaus Hallert. Zwar sieht er die Laden-Existenz gefährdet, „aber dafür könne der Kiosk in den Vorraum des neuen Supermarktes.“ Genau das will Dünnwald nicht. „Wir haben über 100.000 Euro reingesteckt und alles selbst gestaltet“, so der Ladenbesitzer.

In den kommenden zwei Wochen wird der Vorvertrag unterschrieben. Ab Sommer 2012 sollen die Bagger rollen.

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