Von der Pleite in den Ruin

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Ratlos: Hannelore Horn schlägt die Hände über dem Kopf zusammen. Sie weiß nicht, wie sie die Kontogebühren der Sparkasse in Ober-Roden bezahlen soll.

Rodgau – Eine schöne Reise oder mal schick essen gehen – davon kann Hannelore Horn bloß träumen. Die Arbeitslose aus Ober-Roden muss jeden Euro zweimal umdrehen, um über die Runden zu kommen. Jetzt hat auch noch ihre Bank die Kontogebühren erhöht. Unbezahlbar für die 61-Jährige. Doch die Bank zeigt kein Erbarmen. Von Mareike Palmy

Hannelore Horn vor ihren Kontoauszügen. Über die Gebührenerhöhung wurde sie vorab nicht informiert.

Rund drei Millionen Menschen ohne Job leben in Deutschland. Jeder dieser Arbeitslosen, der Hartz IV bezieht, brauch auch ein Girokonto, um an dasmonatliche Geld zu kommen. Hannelore Horn, seit über dreißig Jahren arbeitslos, hat ihres bei der Sparkasse Dieburg. Bisher zahlte sie dafür monatlich drei Euro Kontoführungsgebühren. Seit Oktober 2010 allerdings, haben sich diese Gebühren mehr als verdoppelt. „7,50 Euro soll ich jetzt bezahlen. Dabei hab‘ ich gerade mal drei Überweisungen pro Monat“, sagt die gelernte Einzelhandelskauffrau.

Zwar könnte Hannelore Horn die Kosten mindern, indem sie nur den Kontoauszugsdrucker und den Geldautomaten nutzt, da sie aber nicht auf menschliche Beratung am Schalter verzichten möchte, muss sie zahlen. Auch Onlinebanking käme Hannelore Horn günstiger, doch sie hat kein Geld für einen PC und ein Schufa-Eintrag erlaubt ihr keinen Internetanschluss.

Banken verweigern Hilfeempfängern sogar Konten

„Es gibt auch Banken, die haben kostenlose Girokonten, aber ich habe schon bei verschiedenen nachgefragt. Die nehmen mich nicht. Ich bin also gezwungen bei der Sparkasse zu bleiben und die Gebühren zu bezahlen“, klagt die Alleinlebende.

Bundesweit gibt es etwa eine halbe Million Menschen ohne Konto. Banken wollen ihnen einfach keines einrichten - meist weil sie durch die Vergabe von Konten an Sozialhilfeempfänger oder arbeitslos keine Erträge erzielen. Normalerweise ist aber die nächstgelegene Sparkasse verpflichtet jedem ein Konto zu eröffnen. „Ich bin auf das Konto angewiesen, muss der Sparkasse quasi dankbar sein, dass sie mich nimmt. Aber zahle siebenfünfzig im Monat für drei Überweisungen. Wie kann man so mit seinen Kunden umgehen?“

Bank treibt Arbeitslose an das Existenzminimum

Bei der Sparkasse Dieburg zeigt man sich zwar verständnisvoll, aber eisern: „2010 wurden die Preise angepasst. Das neue Kontomodell Giro Comfort der Kundin kostet jetzt 7,50 Euro. Da bleibt keine andere Wahl“, erklärt Michael Laux vom Vorstandssekretariat.

Studenten oder wohltätigen Vereinen erlässt die Sparkasse den monatlichen Pauschalpreis. Menschen ohne Arbeit und Einnahmen fallen nicht unter dieses Schema.

Für die Verbraucherzentrale in Frankfurt ist der Fall klar: „Immer noch ist es Strategie einiger Banken, unerwünschte Kunden von sich aus‚ zum Gehen zu überreden. Dabei werden die Kontoführungsgebühren für Guthabenkonten dergestalt erhöht, dass Arbeitslose oder Sozialhilfeempfänger sich das Konto nicht mehr leisten können“, so eine Sprecherin.

Die Sparkasse Dieburg verteidigt aber ihre Kostenerhöhung: „Das hat allgemeine Preissteigerungsgründe. Da sind uns leider die Hände gebunden. Wir können ihr kein anderes Modell anbieten“, versichert Michael Laux.

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