TV-Koch Mirko Reeh gibt Tipps für Zubereitung

Geschossene Waschbären aufessen, statt wegschmeißen!

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Die Fotomontage zeigt, worum es geht: Waschbär im Topf.
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Region Rhein-Main – Die Zahl der Waschbärensichtungen in der Region nimmt rasant zu und sie werden geschossen. Sowohl Umweltschützer als auch Jäger sind sich einig, was mit den Kadavern passieren sollte: Lieber aufessen, statt wegschmeißen! Von Christian Reinartz 

Klingt Eklig? „Alles Geschmackssache“ sagt Wildmeister Klaus Burow aus Hainburg. Er beobachtet die steigende Waschbärenpopulation genau, berichtet von einem Schwerpunkt in Mainflingen und Umgebung. Einmal seien in seinem Kirschbaum sogar gleich fünf Stück auf einmal herumgeklettert. In dieser Gegend würden die Jäger mittlerweile sogar Fallen aufstellen, um die schlauen Waschbären zu erwischen. Zwar hat er selbst noch nicht probiert, dass die Tiere von den Jägern gegessen werden, hält er aber für möglich. „Das muss jeder für sich selbst entscheiden.“

Es gibt Jäger, die Waschbären essen

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Im hessischen Werra-Meißner-Kreis ist man da offenbar schon weiter. Dort bestätigt das zuständige Veterinäramt: „Ja, wir haben vereinzelt Trichinenproben von Waschbären untersucht.“ Heißt im Klartext: Es gibt Jäger, die die Tiere essen. Angeblich soll es schonmal als Beimengung zu Schweinefleisch für besonders exotische Bratwürste benutzt worden sein. Aus Sicherheitsgründen muss das Wildfleisch vor dem Verzehr allerdings untersucht werden. In den Veterinärämtern des Rhein-Main-Gebietes gab es bisher noch keine solcher Anfragen. Sowohl Jäger als auch Naturschützer gehen aber davon aus, dass dies bald der Fall sein könnte. „Wenn hier die Zahl der Waschbären ansteigt, werden die Leute auch anfangen ihn zu essen“, sagt ein Jäger mit Revier am Stadtrand von Frankfurt. „Ich selbst habe schonmal einen nach Hause gebracht, aber meine Frau hat sich geweigert, ihn zuzubereiten.“

TV-Koch glaubt an Waschbär-Delikatesse

Für Berthold Langenhorst vom Naturschutzbund Hessen ist das der falsche Weg. Er sagt: „Wenn Tiere schon geschossen werden, dann sollten sie auch verwertet werden, anstatt auf dem Müll zu landen.“ Das sieht auch der Seligenstädter Jäger Winfried Winter ähnlich. Er traut dem Waschbärenfleisch zu, eine echte Delikatesse in der Region zu werden. „Da braucht es nur einen Starkoch, der es zubereitet. Dann kann das ein richtiger Hype werden.“

Denn so schlecht schmeckt Waschbärenfleisch offenbar gar nicht. Und erlaubt ist es auch. Amtstierarzt Dr. Uwe Lenz, Fachdienstleiter im Werra-Meißner-Kreis erklärt warum: Nach Paragraph 22 der tierischen Lebensmittelhygiene-Verordnung sei es zwar verboten, Fleisch von Hunden, Katzen, anderen hundeartigen oder katzenartigen Tieren sowie von Affen zum Zwecke des menschlichen Verzehrs zu gewinnen oder in Verkehr zu bringen. Für Waschbären gelte das aber nicht, genauso wenig wie für Sumpfbiber. „Dachse sind sogar explizit in der Vorschrift für die Trichinenbeschau angegeben“, sagt Lenz. „Wenn also ein Waschbär die Fleischbeschau durch den Jäger und den Trichinentest bestanden hat, darf er gegessen werden.“

Interview mit Mirko Reeh

In Internetforen werden sogar fleißig Rezepte gepostet, bei denen der Waschbär etwa mit Honig, Apfelwein und Preiselbeeren geschmort wird. Für Langenhorst keine Frage: „Früher haben die Menschen ja auch Biber gegessen.“ Vor allem Mönche, da der Bieber von der Kirche als Fisch gewertet worden sei. Zudem ist Waschbärenfleisch im Süden der USA oder in Kanada eine regelrechte Delikatesse. Zahlreiche Rezepte sind auf Google unter dem Suchbegriff „racoon recipes“ zu finden.

Was so manche Jäger verspeisen, ist noch lange nichts für jedermann. Oder doch? Der EXTRA TIPP hat Promi-Koch Mirko Reeh gefragt, wie er es mit Waschbärenfleisch halten würde.

Finden Sie Waschbärenfleisch als Lebensmittel interessant? 

Ich finde es mehr als interessant. Gerade weil es für unsere Kreise ein neues Produkt ist. Ich habe es persönlich noch nicht probiert, aber es würde mich brennend interessieren, wie es schmeckt.

Hätten Sie Bedenken, dass die Leute zu große Scheu hätten, einen Waschbären zu essen?

Nein, ich hätte keine Scheu. Aber ich denke mal die Mehrzahl der Leute hat damit Probleme.

In Kanada und den USA wird Waschbär häufiger gegessen. Können so viele Menschen falsch liegen? 

Nein, ich glaube nicht. Andere Länder andere Sitten, bei uns ist es halt nicht bekannt.

Wenn Sie etwas damit kochen sollten. Was für eine Zubereitung würden sie spontan wählen?

Ich würde es so angehen wie Wild und mich ran tasten und ausprobieren. Ich meine damit, dass ich das Fleisch, je nach Stück, etwa Filet oder Rücken, kurz braten würde. Die Keule würde ich schmoren. Sobald dies passiert ist, könnte man sich an die Beilagen annähern. Heißt: Wie ist das Fleisch im Geschmack? Passt etwas Würziges dazu, oder etwas Fruchtiges oder Süßes? Klassische Beilagen wie Kartoffeln oder Spätzle passen immer.

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Christian Reinartz

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E-Mail:christian.reinartz@extratipp.com

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