Vom Pilotprojekt zur Schmuddelecke

+
Von den Sitzflächen, auf die Kriftels Erster Beigeordneter Franz Jirasek weist, sind nur die Gestelle übrig. Die Glasscheiben, die eigentlich vor Wind und Wetter schützen sollten, wurden herausgeschlagen.

Kriftel – Ein Pilotprojekt war das Wartehaus am Krifteler Bahnhof, als es 1998 errichtet wurde. Mittlerweile ist es verkommen: Es gibt keine Sitzflächen mehr, Scheiben wurden herausgeschlagen. Mehrfach hat die Gemeinde Kriftel sich bei der Deutschen Bahn beschwert, doch passiert ist nichts. Von Julia Renner

Franz Jirasek ärgert sich über die zuständige DB Station & Service AG. „In den vergangenen fünf, sechs Jahren wurde nichts mehr gemacht“, sagt der Erste Beigeordnete. Irgendwann habe die Bahn einfach aufgehört, Kaputtes zu erneuern. So wurde seit zwei Jahren keine neue Windschutzverglasung in dem Wartehäuschen angebracht, die Sitzflächen nicht erneuert, nachdem sie abgerissen wurden.

Doch das ist längst nicht alles: Die einige Zentimeter hohen Halterungen für die längst nicht mehr vorhandenen Glasscheiben wurden zu Stolperfallen, die Betonhüllen um die Beleuchtungsmasten sind eingerissen, angerosteter Stahl ist darunter zu sehen, ein Bildschirm vermodert. Schon mehrfach hat sich Jirasek deshalb an seinen Schreibtisch gesetzt, um Briefe an die Bahn zu schreiben und auf die Missstände hinzuweisen. „Ich bin verärgert, dass alles so zeitverzögert voran geht“, sagt der Erste Beigeordnete. „Es ist schwierig, etwas zu erreichen.“ Vor allem, wenn selbst Bahnmitarbeiter nicht wissen, wer zuständig ist.

Anfang des Jahres hatte Jirasek mal wieder einen Brief geschrieben – und bekam nach zwei Wochen eine Antwort. „Da war ich positiv überrascht.“ Sämtliche Mängel hatte er darin aufgelistet, und die Bahn versprach, sich bis Mitte des Jahres um Verbesserungen zu bemühen. Passiert ist allerdings nichts.

Wir versuchen deshalb, einiges so gut es geht selbst zu machen.“ Die aus dem Boden ragenden Stolperfallen hat die Gemeinde entfernt, vor drei Jahren hat sie außerdem Aufzüge einbauen lassen und ein Mitarbeiter des Bauhofes kontrolliert täglich den Bahnhof auf Zerstörung oder Verschmutzung. Jirasek glaubt, dass Anlagen, die gut in Schuss gehalten werden, weniger in Mitleidenschaft gezogen werden.

Stabiles Mobiliar statt toller Optik

Jede Woche sprechen ihn mehrere Bürger auf die Zustände an, sagt Franz Jirasek. „Andere haben allerdings schon aufgegeben.“ Er selbst denkt allerdings nicht daran, aufzugeben. Immer wieder, so verspricht er, wird er die Deutsche Bahn an die Unterhalts- und Verkehrssicherungspflicht des Bahnhofs erinnern.

Dass Zuständigkeiten manchmal unklar waren und Briefe so spät beantwortet wurden, kann sich eine Sprecherin der Bahn nicht erklären. „Das Bahnhofsmanagement hat Kontakt zu den Kommunen, und auch die Städte und Gemeinden kennen die Ansprechpartner“, sagt die Sprecherin.

Bis Ende des Jahres, verspricht sie, werden Lampen an den Bahnsteigen erneuert. Wie viele neue Lampen aufgestellt werden, kann sie aber nicht sagen. Unklar ist auch, wann im nächsten Jahr das neue Wetterschutzhaus gebaut wird. Es sei aber für das Jahr 2013 fest eingeplant, versichert sie.

Glasscheiben sollen dann aber nicht mehr eingesetzt werden. Stattdessen solle beim Neubau „stabiles Mobiliar“ genutzt werden. „Der Schwerpunkt wird auch nicht mehr auf der Optik liegen“, sagt die Bahn-Sprecherin. Im Vordergrund steht dann der reine Nutzen.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare